Schirm

Euphoria

Staffel 1

Eintrag vom

Sex, Gewalt und schlechte Laune. HBO hat auch in der Ära nach Game of Thrones noch die heftigsten Serien-Tabubrecher im Programm – wie dieses in den USA bereits höchst kontrovers diskutierte Teenager-Drama, das ungeschönte Einblicke in juvenile Abgründe bietet.

Wenn man wie Rue (Ex-Disney-Star Zendaya, famos) drei Tage nach 9/11 das Licht dieser Welt erblickt hat, dann hat man den Geschmack von Schrecken und Verderben gleichsam noch direkt mit der Nabelschnur verabreicht bekommen. Die dunkelgraue Wolke dieser ersten Stunden scheint ihr Leben nie mehr so richtig verlassen zu haben – jedenfalls ist das die Selbsteinschätzung der nun 17-Jährigen, die man aber nicht komplett für bare Münze nehmen sollte, sondern auch dem üblichen Teenager-Hang zur Übertreibung zuschreiben darf. Nicht zuletzt ob der Tatsache, dass sie sich nach ihrem ersten Entzug sofort wieder daran macht, neuen Stoff aufzustellen, lässt sich freilich nicht leugnen, dass sie immer noch ihr gut gefülltes Psycho-Packerl zu tragen hat. In dem muss der tragische Tod ihres Vaters ebenso Platz finden wie ihre bipolare Störung. Doch Rue ist nicht die einzige ihres Alltags überdrüssige Heranwachsende an ihrer Highschool, die sich mit den bewährten Beschleunigungsmitteln Sex und Drogen auf die Suche nach Realitätsflucht und temporärer Euphorie begibt.

Mit der ungeschönt authentischen Darstellung dieser und noch manch anderer Aufregerthemen der Adoleszenz schlug dieser HBO-Serien-Newcomer im grade vergangenen Sommer in den USA bereits gehörig Wellen. Während sich Leonardo DiCaprio als riesiger Fan outete war andernorts gleich übereifrig von der „schockierendsten Serie aller Zeiten“ die Rede. Doch bloß, weil Euphoria trotz aller greller Farbenpracht inhaltlich noch schonungsloser daherkommt als die verwandte Netflix-Produktion Tote Mädchen lügen nicht, heißt das ja nicht, dass Teenage Troubles hier sensationsheischend ausgeschlachtet würden. Vielmehr verleihen vielschichtig gezeichnete Figuren und ein bisweilen erstaunlich einfühlsamer Tonfall dieser düsteren Reflexion über seelische Traumata eine auf den ersten Blick kaum vermutete Tiefe. Eine Tiefe, in der man freilich auch auf manch unangenehme Erkenntnis stoßen wird – Kinder haften hier auf jeden Fall für ihre bingewatchenden Eltern!

 

Ab 16.10. auf Sky Atlantic & Sky X

 

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