Filminfo zu

Das Waisenhaus

El orfanato

Horror, Thriller. Spanien 2007. 105 Minuten.

Regie: Juan Antonio Bayona
Mit: Geraldine Chaplin, Belén Rueda, Fernando Cayo

Laura zieht mit ihrer Familie in ein ehemaliges Waisenhaus. Doch die früheren Bewohner verteidigen ein schreckliches Geheimnis … Gefühle, Gefahr und Gänsehaut, meisterlich inszeniert vom Spanier J. A. Bayona unter der Schutzherrschaft von Horror-Spezialist Guillermo del Toro (Hellboy, Blade II, Pans Labyrinth).

Filmstart: 15. Februar 2008

Auch wenn sie nie ihre leiblichen Eltern kannte, verlebte Laura (Belén Rueda) eine glückliche Kindheit. Bevor sie von liebevollen Pflegeeltern adoptiert wurde, wohnte Laura in einem kleinen Waisenhaus – das mittlerweile leer steht. So nützt sie die Gelegenheit und zieht gemeinsam mit ihrem Ehemann Carlos (Fernando Cayo), einem Arzt, und ihrem Sohn Simón (Roger Príncep) in das wunderschöne alte Haus, das mit seinen großzügigen Grundriss und der prächtigen Lage nah am Meer perfekt geeignet scheint, um Lauras Herzensprojekt in die Tat umzusetzen: Eine Betreuungseinrichtung für behinderte Kinder.

Simón, ein sehr introvertierter, fantasievoller Bub, ist auch ein Adoptovkind – und HIV-positiv. Davon weiß er allerdings nichts, es würde ihn zu sehr verstören, meint Laura. Um so schockierter ist sie, als sie plötzlich Simóns Krankenakte in der Hand ihres Sohnes sieht, die sie immer in einer versperrten Schublade aufbewahrt hat. „Mein neuer Freund Tomás hat mir das gegeben“, meint Simón trotzig. „Tómas lebt hier, gemeinsam mit den anderen. Sie spielen ein Spiel. Es funktioniert so: Sie nehmen dir etwas weg, was dir sehr lieb ist, und verstecken es – und dann geben sie dir Hinweise, wo du es suchen sollst.“ Komisch nur, dass niemand außer Simón Tómas und seine Freunde sehen kann. Doch in der immer versperrten Schublade, in der bisher die Krankenakte lag, findet Laura tatsächlich etwas, was da gar so nicht hingehört. Und dann zeigt ihr Simón noch seine Zeichnung von „denen“: Sechs kleine Kinder in genau den Uniformen, die die Bewohner des Waisenhauses vor 30 Jahren trugen, als Laura hier wohnte. Eins der Kinder hat einen Sack über dem Kopf, auf den einen groteskes Gesicht gemalt ist. „Das ist Tomás!“

Doch die Eröffnung des Pflegeheims steht kurz bevor, Laura und Carlos müssen noch Tausend Dinge organisieren, und so haben sie überhaupt keine Zeit, über Simóns neue unsichtbare Freunde nachzudenken. Und als Simón Laura unbedingt zeigen will, wo Tomás wohnt, wimmelt sie ihn ab. Kurz darauf steht eine kleine Gestalt mit einer Sackmaske über dem Kopf vor ihr. Und auf einmal ist Simón wie vom Erdboden verschluckt. Spurlos verschwunden. Nach wochenlanger, monatelanger verzweifelter Suche ist schließlich für Carlos der schmerzhafte Moment gekommen, an dem er Abschied nehmen will, und wieder nach vorne sehen. Doch Laura weigert sich, Simón aufzugeben. Er ist hier irgendwo, das spürt sie. Und viel zu viele Fragen sind ungeklärt. Welche Rolle etwa spielt die mysteriöse Benigna, eine kleine alte Frau, die sich immer wieder unter seltsamen Vorwänden Zutritt zum Haus verschafft? Warum findet Laura immer wieder Dinge nicht an ihrem Platz – ist das auch ein Teil des „Spiels“, kann die Lösung sie zu Simón führen? Oder kann ihr vielleicht sogar ein Medium (Geraldine Chaplin in einem grandiosen Gastauftritt als fragile Geisterbeschwörerin) dabei helfen? Eines ist gewiss: Dieses Haus, das sie so gut zu kennen glaubte, birgt irgendwo ein schreckliches Geheimnis – und was immer es ist, es hat auch mit Simóns Verschwinden zu tun …

Der wahre Horror steckt nicht in den blutigen Details, sondern im Herzen des Betrachters. Mit dieser alten Kinoweisheit operiert der junge spanische Regisseur Juan Antonio Bayona meisterlich und verwandelt früher mal harmlose Dinge wie die Brille einer alten Dame, einen angemalten Stoffsack oder einen Türknauf inmitten wunderschön inzenierter Bilder in Requisiten des nackten Entsetzens – bis hin zum lächelnd gnadenlosen Finale, das sich in seiner ganzen Wucht erst im Kopf der Zuschauer entwickelt und dort noch lang nach dem Nachspann für Gänsehaut sorgt.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Das Waisenhaus
Originaltitel El orfanato
Genre Horror/Thriller
Land, Jahr Spanien, 2007
Länge 105 Minuten
Regie Juan Antonio Bayona
Drehbuch Sergio G. Sánchez
Kamera Óscar Saura
Schnitt Elena Ruiz
Musik Fernando Velázquez
Produktion Álvaro Augustín, Guillermo del Toro, Mar Taragona
Darsteller Geraldine Chaplin, Belén Rueda, Fernando Cayo, Roger Príncep, Montserrat Carulla
Verleih Senator Film

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

2 Kommentare

Thriller mit Stil

Auch wenn Guillermo del Toro den Film "nur" produziert und nicht Regie geführt hat scheint es ein typischer Film von ihm zu sein. Habe den Film heute in der Überraschungspremiere gesehen und war sehr begeistert - mit wenigen Mitteln schafft es der Film trotzdem zu schocken und Spannung aufzubauen, ein feiner Geisterthriller im Stile von "6th Sense"

6. Februar 2008
03:24 Uhr

von Morphie

Wunderschön & tragisch

Kann mich nur anschließen.
Der Film zieht einen von Beginn an mit seiner ganz speziellen Atmosphäre in den Bann.
Und obwohl Del Toro erkennbar ist, ist der Film sicher kein Abklatsch von "Pan's Labyrinth".

15. Mai 2008
11:21 Uhr

von SmeagolTheGreat

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