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Hugo Cabret

Hugo

Kinderfilm, Mystery. USA 2012. 126 Minuten.

Regie: Martin Scorsese
Mit: Asa Butterfield, Chloë Grace Moretz, Ben Kingsley

Martin Scorseses märchenhafte Fabel vom Waisenknaben, der durch einen mürrischen Spielzeugverkäufer (Ben Kingsley) und dessen aufgeweckte Ziehtochter (Chloë "Hit-Girl" Moretz) ausgerechnet in der Frühgeschichte des Kinos eine neue Heimat findet: Eine Ode an die bewegten Bilder - und Scorseses erster Ausflug in die Welt der 3D-Technologie.

Filmstart: 10. Februar 2012

Frische Croissants, duftender Café au lait, von irgendwo weht Akkordeonmusik herüber: Das 30er-Jahre-Paris, wie es nur in der eigenen Fantasie existiert, hat Kinozauberer Martin Scorsese für seinen neuen Geniestreich als Filmset nachgebaut. Und hier, im Gare Montparnasse, einem riesigen Bahnhof, einer Welt aus Glas, Metall, Stein und Geschäftigkeit, wohnt der kleine Hugo Cabret (Asa Butterfield, der mit seinem unverbauten Talent schon das KZ-Drama Der Junge im gestreiften Pyjama aus der Kitschfalle gerettet hat).
Nach dem Tod seiner Mutter wuchs Hugo bei seinem geliebten Vater (Jude Law), einem begnadeten Uhrmacher und Mechaniker auf, doch nach dessen plötzlichem Tod holte ihn sein Onkel Claude zu sich. Der, ein versoffener Ungustl, lebt in einer kleinen Kammer im Uhrturm des Bahnshofs und ist zuständig für die vielen mechanischen Uhren des Gebäudes. Jeden Tag stellt er sicher, dass sie alle richtig laufen - eine Arbeit, die er gleich mal an den kleinen Hugo übergibt und kurz darauf überhaupt spurlos verschwindet. Nun ist Hugo allein auf der Welt. Unentdeckt bewegt er sich im Labyrinth des Bahnhofgebäudes und hält die Uhren am laufen - solange die richtig gehen, wird keiner nachschauen kommen, auch nicht der furchtbar verzwickte Stationsvorsteher (Sacha Baron Cohen), der Hugo sofort einfangen und ins Waisenhaus aka Kindergefängnis stecken würde. Sein einziger Gefährte ist eine wundersame kleine Maschine, eine äußerst kunstvolle, aber nicht mehr funktionierende Aufziehpuppe aus Metall. Hugos Vater hat es nicht mehr geschafft, sie fertig zu reparieren, und so sammelt Hugo, wo er kann, mögliche Ersatzteile zusammen, um vielleicht doch noch das Geheimnis des Automaten zu ergründen.
Dabei stibizt er auch immer wieder Dinge aus dem kleinen Spielzeuggeschäft von Monsieur Georges (Ben Kingsley), der ihn eines Tages dabei erwischt. Zur Strafe muss Hugo nun im Spielzeugladen arbeiten - und nicht nur stellt er sich dabei unerwartet geschickt an, er findet auch in Isabelle (Chloë Grace Moretz, die in Kick-Ass mit Verve bezaubert hat), der Ziehtochter seines Chefs, eine echte Freundin.
Gemeinsam machen sich die beiden nun auf Entdeckungsreise: Isabelle staunt über den Automaten und den Blick über Paris vom Uhrturm aus, und Hugo merkt, dass sich hinter der grantigen Fassade von Monsieur Georges eigentlich ein sehr netter älterer Herr verbirgt. Und beide entdecken sie das Kino, sind hin und weg von der Magie der großen Leinwand - und rätseln, warum Monsieur Georges Isabelle immer strikt verboten hat, ins Kino zu gehen, und dazu noch jede Frage nach seiner ganz offensichtlich bewegten Vergangenheit strickt abblockt. Noch ein Geheimnis, das es zu ergründen gibt - und was für eins: Denn Monsieur Georges ist niemand anderer als der verschollen geglaubte Stummfilm-Pionier Georges Méliès, dem wir einige der prägendsten Bilder aus der Frühzeit des Kinos verdanken.

Den Namen des großen Filmemachers Martin Scorsese verbindet man in erster Linie mit Kino für Erwachsene - von knallhart (Taxi Driver, Wie ein wilder Stier, Goodfellas, Casino) über knochentrocken (The King of Comedy, Aviator, Shutter Island) bis hochmusikalisch (Shine a Light, George Harrison: Living in the Material World). Und als ganz großer Fan des Kinos an sich - weshalb er mit seinem neuesten Werk als erster den eigentlich naheliegenden Bogen spannt von der modernen 3D-Technik bis ganz zurück in die Anfänge der bewegten Bilder, als eine Szene mit einer auf die Kamera zufahrenden Lokomotive einen ganzen Kinosaal in Panik versetzen konnte. Hugo Cabret - die Verfilmung eines 2007er-Bestsellers ist eine zauberhafte Huldigung an die Kraft des Kinos auf vielen Ebenen: Hugo ist ein Blick durch die Augen eines Kindes auf eine zauberhafte Welt, zugleich ein ebenso amüsanter wie lehrreicher Blick auf eine zu Unrecht vergessene Kino-Ära mit zahllosen wohlgesetzten Zitaten aus klassischen Stumfilmen - und nicht zuletzt zeigt Scorsese durch die wirklich meisterlich eingesetzte 3D-Kamera, wie gut sich diese Technologie auch fürs gefühlsbetonte Erzählkino und nicht nur für actionlastige Eventfilme eignen kann.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Hugo Cabret
Originaltitel Hugo
Genre Kinderfilm/Mystery
Land, Jahr USA, 2012
Länge 126 Minuten
Regie Martin Scorsese
Drehbuch John Logan basierend auf dem Roman von Brian Selznick
Kamera Robert Richardson
Schnitt Thelma Schoonmaker
Musik Howard Shore
Produktion Johnny Depp, Tim Headington, Graham King, Martin Scorsese
Darsteller Asa Butterfield, Chloë Grace Moretz, Ben Kingsley, Jude Law, Ray Winstone, Michael Stuhlbarg, Emily Mortimer, Sacha Baron Cohen, Christopher Lee, Martin Scorsese
Verleih UPI

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

4 Kommentare

Empfehlenswert!

Gute unterhaltung, sehr kurzweilig, gut in 3d, handlung bietet keine grosse überraschung aber nie langweilig

14. Februar 2012
19:38 Uhr

von mkatharinagmxat

Unglaublich!

Eine wunderbare Geschichte die Zuseher jeder Altersgruppe bezaubert. Nicht nur technisch überzeugend sondern auch mit faszinierender und berührender Handlung. Ein weiteres Plus ist der geschichtliche Hintergrund der Personen und des Kinofilms im generellen welcher dezent in die Handlung verwoben wurde.

28. Februar 2012
13:05 Uhr

von catcher

Große Klasse!

Ich fand den Film wirklich toll gemacht, auch wenn es da und dort zu ein paar Ungereimtheiten kam.
Die Sache mit dem Schlüssel ist mir da gleich aufgefallen. Hugo sieht den Schlüssel im Kiesbett der Bahngleise, dann springt er runter und das Ding liegt schön sauber auf der Schwelle.
Aber egal ... das Flair, die Magie und das Clockpunk-Feeling ist schön rübergekommen und Paris ist immer eine Reise wert ... auch wenn nur im Kopf. :)
Hab da noch aktuelle Lektüre, falls es jemand interessiert ...
http://www.amazon.de/
Uhrwerk-Venedig-ebook/dp/B007F2HBY4/ref=pd_ecc_rvi_4

3. März 2012
08:00 Uhr

von LucEdel

"Untypisch Scorsese"

... so könnte man den Film wirklich in all seinen Facetten beschreiben. Interesse hat der Trailer geweckt (vor allem mit einer Hintergrundmusik von 30STM ;) ). Die Story hat sich auch echt ineteressant angehört ....
Naja ... und dann hab ich den Film gesehen und von Abenteuer war da nicht wirklich eine Spur ... ziemlich langatmig ist mir das Ganze vorgekommen (fast wie wenn man einen Action-Streifen erwartet und sich dann Twilight anguckt).

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass er in 3D mehr hergibt, da die Aufnahmen von Paris wirklich gelungen und atemberaubend sind!

Ansonsten: Wenn sich jemand mit der eigentlichen Thematik des Film beschäftigen möchte (die im Trailer verschwiegen wird, aber um die es u.a. geht) - der sollte sich besser "The Artist" anschauen.
http://www.skip.at/film/14682/

12. April 2012
12:27 Uhr

von Cornetto

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