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Die Eiserne Lady

The Iron Lady

Biografie. GB 2011. 105 Minuten.

Regie: Phyllida Lloyd
Mit: Meryl Streep, Jim Broadbent

Working class girl und Hassfigur der Arbeiterbewegung, stockkonservative Politikerin und erste gewählte Regierungschefin Europas, ladylike und unbeugsam: Meryl Streep zeigt in ihrer Golden-Globe- und Oscar-Rolle Margaret Thatcher als vielschichtige Persönlichkeit.

Filmstart: 2. März 2012

Margaret Thatcher ist eine der kontroversiellsten Figuren der jüngeren Geschichte - und eine echte Ausnahmeerscheinung. Mit komischer Frisur und noch komischerer Stimme schaffte sie es im verzopft patriachalischen System der britischen Regierungshäuser bis ganz nach oben, und wirkte dort härter und gnadenloser als ihre männlichen Kollegen. Sie war die erste gewählte Regierungchefin in Europa und die erste - und bisher einzige - Premierministerin Großbritanniens: Margaret Hilda Thatcher, Jahrgang 1925, wurde 1975 an die Spitze der britischen Konservativen, der Tories, gewählt und schließlich 1979 an die Spitze des Landes.
Großbritannien steckte damals in einer veritablen Krise: Die Kohleminen, die vor allem im Norden des Landes Generationen lang hunderttausende Arbeitsplätze gesichert hatten, wurden eine nach der anderen wegen Unrentabilität geschlossen, in Schottland und Irland herrschte teilweise bitterste Armut, dazu versetzten militante IRA-Splittergruppen mit blutigem Terror das Land in Angst und Schrecken.
Maggie Thatcher sah es als ihre Aufgabe, durchzugreifen und das Land, das man ihr anvertraut hatte, wieder in Ordnung zu bringen und im damals noch durch den eisernen Vorhang geteilten Europa stark zu positionieren. Dabei setzte sie auf die damals noch viel weniger hinterfragten Mechanismen des Kapitalismus, auf den Markt, der sich angeblich selber regelt. Inkonsequenz ist etwas, was man ihr nicht vorwerfen kann: Wohlfahrtsleistungen wurden extrem gekürzt, staatliche Kerninstitutionen privatisiert, und nach Anfangserfolgen war die Situation der Durchschnittsbevölkerung noch katastrophaler als vorher. Als Thatcher nach einer Amtszeit von unglaublichen 19 Jahren 1990 abgewählt wurde, war sie eine der meistgehassten PolitikerInnen des Landes - und der Thatcherismus gilt bis heute als Synonym für neoliberale Kampfpolitik, die am Volk vorbei regiert.

Ein faszinierender Filmstoff - und Regisseurin Phyllida Lloyd (mit der Meryl Streep schon Mamma Mia! gedreht hat) nähert sich der ikonischen Figur mit gebührender Komplexität: In Rückblenden erzählt sie die bewegte Lebensgeschichte der heute schwer dementen 86-Jährigen und erklärt nicht nur den Ursprung ihrer unverwechselbaren Frisur, sondern auch, wie die Macht eine engagierte, kluge junge Frau in eine von der Paranoia gestreifte Befehlshaberin ohne viel Mitgefühl verwandelt. Meryl Streep (grandios unterstützt von Jim Broadbent als Ehemann) übertrifft sich wiedermal selber - der Golden Globe und Oscar waren fast unvermeidlich.

Text:  Kurt Zechner

Credits

Titel Die Eiserne Lady
Originaltitel The Iron Lady
Genre Biografie
Land, Jahr GB, 2011
Länge 105 Minuten
Regie Phyllida Lloyd
Drehbuch Abi Morgan
Kamera Elliot Davis
Schnitt Justine Wright
Musik Thomas Newman
Produktion Damian Jones
Darsteller Meryl Streep, Jim Broadbent, Susan Brown, Alexandra Roach, Harry Lloyd, Richard E. Grant, Olivia Colman
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

4 Kommentare

Kindisch tendenziöser SKIP Text

Wer auch immer Kurt Zechner ist, seine obige Zusammenfassung ist nicht nur unsinnig (z.B. war zur Zeit Thatchers der Kapitalismus wohl kaum weniger hinterfragt als heute - damals war der Kommunismus noch eine ernst genommene Alternative!), sie ist außerdem derartig peinlich tendenziös, dass man der SKIP Redaktion wirklich nur raten kann, minimale journalistisch Qualitätsstandards einzuführen!

19. Februar 2012
22:25 Uhr

von thensellek

@thensellek

Kurt Zechner ist SKIP-Chefredakteur, ist nicht so schwer herauszufinden.
Zu deinen Vorwürfen: Es stimmt nicht, dass der Kapitalismus damals genauso hinterfragt wurde wie heute, zumindest nicht auf derart globaler Basis vom politischen Mainstream. Kapitalismus galt im Westen als mit der Demokratie völlig kompatibler Antrieb einer starken Wirtschaft - und Kommunismus war keineswegs eine "ernst genommene Alternative", sondern maximal ein maximal ein ernst genommener Faktor in der strategischen Realpolitik.
Das oft missbräuchlich verwendete Schlagwort von den "journalistischen Qualitätsstandards" mal außen vor gelassen, in welche Richtung siehst du denn den Artikel überhaupt tendieren?

22. Februar 2012
18:11 Uhr

von GiniBrenner

Falsches Genre

Es handelt sich hier eher um eine Komödie als eine Biographie, es war schon nach dem Trailer sehr klar das es hier nicht im entferntesten um eine Charakterstudie geht sondern mehr um seichte unterhaltung die humorvoll ist aber viele wichtige Stationen in ihrem Leben ausläst bzw. sie nur streift.

4. März 2012
13:26 Uhr

von cinemaflo

@cinemaflo

Ihre (offensichtlich recht schlechte;-)) Meinung über den Film natürlich unbenommen, aber auch wenn Genregrenzen fließend sind, wird ein doch recht klassisches Biopic wie "Die Eiserne Lady" auch nach Sichtung des ganzen Films nicht bloss schon dadurch zur Komödie, weil es „viele wichtige Stationen in ihrem Leben ausläst“ (das geschieht bei allen Biopics, selbst bei den längsten), noch dadurch, dass eine „Charakterstudie“ ihrer Meinung nach hier nicht gelingt (ein Biopic muss auch nicht zwangsläufig eine beinhalten). Demzufolge werden sie die von Ihnen gewünschte entsprechende Genreklassifizierung nicht nur bei SKIP vergeblich suchen, sondern wohl auch bei jedem anderen ernstzunehmenden Kinomedium weltweit.

20. März 2012
14:55 Uhr

von KurtZechner

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