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Michael

Michael

Drama. Österreich 2011. 96 Minuten.

Regie: Markus Schleinzer
Mit: Michael Fuith, David Rauchenberger

Szenen eines Missbrauchs: Regisseur Markus Schleinzer wagt sich mit seinem Debütfilm in die finstersten Winkel der menschlichen Seele. Heimlicher Favorit im hochkarätigen Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes und Gewinner des Wiener Filmpreises als bester Spielfilm 2011!

Filmstart: 2. September 2011

Nach außen hin ist Michael (Michael Fuith, Rammbock) ein Durchschnittstyp. Vielleicht ein wenig zurückhaltend und verschlossen, aber völlig unauffällig. Tagsüber macht er Karriere als Versicherungsvertreter, feiert seine Beförderung im Kollegenkreis mit Sekt Orange und Brötchen, fährt mit Bekannten auf Skiurlaub, trifft im Kaffeehaus seine Schwester (Ursula Strauss). Doch hinter der banalen, vorstädtischen Fassade versteckt er ein schreckliches Geheimnis: Abends lässt er seine Rollläden herunter, geht in den Keller und missbraucht den zehnjährigen Wolfgang (David Rauchenberger), den er dort gefangen hält.
Nicht nur österreichischen Medienkonsumenten ist die Konstellation aus missbrauchendem Mann und eingesperrtem Kind grauenvoll geläufig. Doch Regisseur Markus Schleinzer liefert in seinem Erstlingsfilm keine explizite Bebilderung jener Fälle, die in den Boulevardblättern so voyeuristisch abgehandelt wurden, wie etwa die Entführung und das Wiederauftauchen von Natascha Kampusch.  Schleinzers Michael ist vielmehr eine Erzählung vom gemeinsamen Alltag von Opfer und Täter, den ungleichen Machtverhältnissen, von einer verstörend gleichgültigen Normalität, die eingekehrt ist in den unfassbaren Missbrauch: Die Zeichnungen, die das Kind macht, um sich die Zeit zu vertreiben. Das gemeinsame Vorbereiten des Abendessens. Ein Haarschnitt. Eine leichte Krankheit. Betteln um abendliches Fernsehendürfen.

Regisseur Markus Schleinzer hat sich in den letzten Jahren bereits als Castingdirektor bei einer Vielzahl österreichischer Filme in der Branche einen Namen gemacht, unter anderem betreute er bei Michael Hanekes Cannes-Erfolg Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte während des gesamten Drehs die Kinderdarsteller. "Mein Vorteil war, dass ich schon sehr viel mit Kindern gearbeitet habe, gerade Das weiße Band war da eine große Schule." 
Anlass für den Film, der sehr nah an der Person des Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil erzählt wirkt, war für den Regisseur, wie er im SKIP-Interivew erzählt, die Häufung von entsprechenden Fällen, die innerhalb kurzer Zeit bekannt wurden: der Dutroux-Prozess in Belgien, Natascha Kampusch tauchte auf, die kleine Madeleine McCann verschwand, und in Österreich startete gerade der Fritzl-Prozess. Auf Basis all dieser Geschichten ist ein bemerkenswertes Filmdebüt geglückt, ganz ohne Effekthascherei: Ein beklemmendes Stück Kino, das sein Publikum bereits in Cannes tief beeindruckt hat.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Michael
Originaltitel Michael
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2011
Länge 96 Minuten
Regie Markus Schleinzer
Drehbuch Markus Schleinzer
Kamera Gerald Kerkletz
Produktion Wolfgang Widerhofer, Nikolaus Geyrhalter, Markus Glaser, Michael Kitzberger
Darsteller Michael Fuith, David Rauchenberger, Christine Kain, Gisella Salcher, Ursula Strauss
Verleih Stadtkino

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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