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Venus im Pelz

La Vénus à la fourrure

Drama, Literaturverfilmung. Frankreich 2013. 96 Minuten.

Regie: Roman Polanski
Mit: Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner

Fifty Shades of Grey ist was für Anfänger. Roman Polanski dreht auf den Spuren von Austro-Skandal-Autor Leopold von Sacher-Masoch ein erotisch aufgeladenes Kammerspiel um Sex und Macht: Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric im Kampf der Geschlechter.

Filmstart: 22. November 2013

Casting mit Couch: Regisseur Thomas (Mathieu Amalric) ist kurz davor, den Hut draufzuhauen. Den ganzen Tag haben unfähige Damen für die Rolle der herrlich grausamen Vanda in David Ives' Theater-Adaption von Venus im Pelz vorgesprochen. Keine davon hat die Rolle verstanden, davon ist Thomas überzeugt, lauter oberflächliche Weiber, ahnungslos, naiv. Selbstzweifel sind ganz allgemein seine Sache nicht. Dann taucht plötzlich Vanda (Emanuelle Seigner) auf. Tropfnass aus dem Gewitterregen. In einer höllisch engen Korsage und mit einer durchaus eigenständigen Interpretation des Textes - das sind doch alles nur feuchte Träume eines alten Sexisten, der mit starken Frauen nicht umgehen kann. Sie entspricht allen Vorurteilen, die Thomas so von Schauspielerinnen hat. Vanda will vorsprechen und lässt Thomas' Einwände nicht gelten. Der sollte nämlich schon längst die zuhause wartende liebe Verlobte treffen, wie sie nicht müde wird, ihn am Telefon wissen zu lassen. Aber Vanda ist eine Naturgewalt - als Thomas bei Vandas Vorsprechen die Sprechrolle des Severin übernimmt, wird der Text des Theaterstücks immer mehr zu einer gar nicht so spielerischen Auslotung menschlicher Grenzen. Und Thomas verfällt der mit allen Wassern gewaschenen Vanda nach Strich und Faden.

Glatter Pelz auf nackter Haut. Eine despotische Geliebte mit Hang zur physischen wie psychischen Grausamkeit. Ein verliebter Mann, der sich willenlos unterwirft und daran fast zugrunde geht. Leopold von Sacher-Masochs Venus im Pelz ist der Ursprung des Begriffs "Masochismus", ein Klassiker der erotischen Literatur, der zahllose Künstler inspiriert hat. Ganz großes Kino machte daraus Roman Polanski, der schon mit Der Gott des Gemetzels u.a. mit Christoph Waltz und Kate Winslet einen Theatererfolg für die Leinwand adaptiert hat. Der Fachmann für zwischenmenschliche Grenzauslotung besetzte seine fabelhafte Gattin Emmanuelle Seigner (In ihrem Haus, Affären á la carte) in der Hauptrolle und stellte ihr den hinreißenden Mathieu Amalric (Ein Quantum Trost, Schmetterling und Taucherglocke) zur Seite: Ein magisches Kammerspiel um Macht und Erotik mit einem archaischen Finale - hier geht es ums Ganze. Aber das hat einer wie Roman Polanski immer schon gewusst.

Text:  Julia Pühringer

Credits

Titel Venus im Pelz
Originaltitel La Vénus à la fourrure
Genre Drama/Literaturverfilmung
Land, Jahr Frankreich, 2013
Länge 96 Minuten
Regie Roman Polanski
Drehbuch Roman Polanski, David Ives nach Motiven aus dem Roman von Leopold von Sacher-Masoch
Kamera Pawel Edelman
Schnitt Hervé de Luze, Margot Meynier
Musik Alexandre Desplat
Produktion Robert Benmussa, Alain Sarde
Darsteller Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

2 Kommentare

Ein Film zum Niederknien ...

... mit einer tollen Schauspielerin. SMler werden angetörnt, Nicht-SMler unterhalten sich bestens.

30. November 2013
08:52 Uhr

von Elshalom

De Sade nicht fad

Roman Polanskis neuester Film ist ein kleiner Geniestreich. Ein Zwei-Personenstück fesselnd auf die große Leinwand zu bringen ist schon schwer genug, noch dazu wenn es sich dabei um ein Kammerspiel handelt. Doch was Polanski schon im thematisch verwandten "Bitter Moon" bravourös geschafft hat, gelingt ihm auch hier. Selten war der Krieg der Geschlechter so intensiv, und selten war das Verschwimmen von Realität und Rolle so fließend. Eine surreale, bitterböse Satire.

10. Februar 2015
21:55 Uhr

von filmgenuss

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