Filminfo zu

Die Augen des Engels

The Face of an Angel

Drama. GB, Italien, Spanien 2014. 100 Minuten.

Regie: Michael Winterbottom
Mit: Daniel Brühl, Kate Beckinsale, Cara Delevingne

Eine Studentin wird erstochen. Und ihre schöne Mitbewohnerin könnte die Mörderin sein: Idealer Krimistoff? Michael Winterbottom sieht das anders und erzählt den Kriminalfall Amanda Knox von hintenrum - mit Daniel Brühl, Kate Beckinsale und der großartigen Cara Delevigne.

Filmstart: 22. Mai 2015

True Crime. Im November 2007 wird die britische Austauschstudentin Meredith Kercher erstochen in ihrer Wohnung im italienischen Perugia gefunden. Verdächtigt werden ihre amerikanische Mitbewohnerin Amanda Knox, deren Freund, ein Barbesitzer, ein Unbekannter. Eine schöne junge Frau als Mörderin? Sex, Eifersucht, Gewalt? Wie geil! Der Fall ist für die Medien ein gefundenes Fressen, in einer Welt, die Mord im Hauptprogramm als Unterhaltung betrachtet. Jeder hat eine Meinung. Doch wer Meredith tatsächlich getötet hat, bleibt im Dunkeln.

Whodunnit? Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Fall zu Filmstoff wird. Doch wie von einem Mord erzählen, dessen Täterin oder Täter tatsächlich unbekannt ist? Regisseur Michael Winterbottom (24 Hour Party People, In This World) tut in Die Augen des Engels etwas Ungewöhnliches: Er dramatisiert nicht den Mord. Er porträtiert nicht die geifernde Medienmeute, das Hickhack der internationalen Journalisten. Sondern er erzählt von einem seriösen Regisseur namens Thomas Lang (Daniel Brühl), der nach seiner Scheidung unter der Trennung von seiner kleinen Tochter leidet und der nach einem Karrieretief nun einen Erfolgsfilm über den Fall der ermordeten Studentin drehen soll.

Secrets and Lies. Lang trifft in Rom die verführerische Korrespondentin Simone Ford (Kate Beckinsale), die ein Buch über die Verwicklungen rund um den Fall geschrieben hat. Und er lässt sich ein auf den Morast von Spekulationen, der in Siena (wo im Film der Mord passiert ist) die ganze Stadt in Atem hält. Doch jeder, der ihm begegnet, scheint selbst Interesse am Ausgang des Gerichtsprozesses zu haben. Bis auf die junge britische Studentin Melanie (die großartige Cara Delevigne, leuchtendes Zentrum des Films), die zu Thomas’ nächtlicher Begleiterin wird, ihm bei Bedarf auch Drogen besorgt, die ihn daran erinnert, was es bedeutet, eine Tochter zu haben – und zu verlieren ...

Hellbent. Die Augen des Engels erlaubt einen Blick hinter die Kulissen des Filmerzählens und berichtet ungefiltert von kreativem Scheitern und persönlichem Fortkommen: Verknüpft mit literarischen Motiven von Dantes Inferno wird aus einem Krimi mit einem Mal etwas viel Größeres, ein Film über Mythenbildung und über die großen Fragen des Daseins. Ein außergewöhnliches, unerwartetes Stück Kino.

Text:  Dina Maestrelli

Credits

Titel Die Augen des Engels
Originaltitel The Face of an Angel
Genre Drama
Land, Jahr GB/Italien/Spanien, 2014
Länge 100 Minuten
Regie Michael Winterbottom
Drehbuch Paul Viragh basierend auf dem Buch von Barbie Latza Nadeau
Kamera Hubert Taczanowski
Schnitt Marc Richardson
Musik Harry Escott
Produktion Melissa Parmenter
Darsteller Daniel Brühl, Kate Beckinsale, Cara Delevingne, Peter Sullivan, Valerio Mastandrea, Ava Acres, Sai Bennett
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

2 Kommentare

Armselig und enttäuschend

Es geht um das Schicksal eines scheiternden Drehbuchautors. Entsetzlich langweilige Handlung. Protest gegen Manipulation durch Klatschpresse und Staatspolizei stirbt in dem Film sehr früh ab. Von da an nur noch die gleichen, langatmigen Wiederholunsszenen, die abwechselnd den Autor beim Skypen mit seiner kleinen Tochter, beim Wandeln durch dunkle Gassen, beim Koksen, beim geräuschvollen Essen zeigt oder mit einer seiner Freundinnen zeigt. Dazwischen zitiert er Dante. Entsetzlich langweilig. Gott sei Dank hört der Film irgendwann auf.

20. Juni 2015
11:57 Uhr

von Felice83

Die Paranoia eine Künstlers

Wenn Künstler von Künstlern erzählen, erzählen sie meistens von sich selbst. Diese Filme wirken dann meist so, als wären sie nicht für das Kinopublikum, sondern für den Macher selbst produziert worden. Ganz egal was hier passiert - ob der leidlich sympathische Filmemacher, dargestellt von Daniel Brühl, hier nun selber zum Detektiv wird oder unter Verfolgungswahn leidet, bleibt mir als Betrachter herzlich egal. Die spannende Kriminalgeschichte nach Fakten scheint nur einzig und allein hier zu sein, um ins Kino zu locken - was am Ende rauskommt, ist nicht das, was man erwarten würde. Szenenweise an die frühen Psychothriller eines Roman Polanski erinnernd taumelt Michael Winterbottom in seinem wenig greifbaren, konfusen Film zwischen Traum und Wirklichkeit hin und her und wirkt enorm schwammig, überzogen und arg gekünstelt. Fast schon eine Persiflage auf selbstverliebtes Autorenkino.

20. Januar 2016
10:11 Uhr

von filmgenuss

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