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Roberto Succo

Roberto Succo

Thriller. Frankreich, Schweiz 2001. 124 Minuten.

Regie: Cédric Kahn
Mit: Stefano Casseti, Isild Le Besco

Cédric Kahns Cineasten-Thriller Roberto Succo ist das packende Porträt eines Gewaltverbrechers, der 1988 von den französischen Behörden zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt wurde.

Die Sommerferien gehen schon dem Ende zu, als Léa in einer Stranddisco auf Kurt trifft. Sie ist Schülerin, sanft und ruhig, er ein quirliger Aufschneider mit fremdländischen Akzent. Kurt wird Léa viele Geschichten erzählen, die meisten davon klingen seltsam, aber manche klingen wahr und einige sogar ein wenig traurig. Kurt fährt jedes Mal ein neues Auto, wenn sie sich treffen. Das hat mit seinem Beruf zu tun, sagt er. Aber was sein Beruf ist, sagt er nicht. Aus dem Urlaubsflirt wird Liebe. Als Léa nach den Ferien wieder bei ihren Eltern wohnt, fährt Kurt regelmäßig von der Mittelmerküste nach Savoy, um sie zu besuchen. Während dieser Zeit kommt es entlang dieser Route zu einer Reihe von Einbrüchen, Vergewaltigungen, Diebstählen und Morden. Die Ermittlungen der französischen Polizei konzentrieren sich auf die vage Spur eines flüchtigen italienischen Gewalttäters.
Kurt heißt nur bei Léa Kurt. In Wahrheit ist er Roberto Succo aus Mestre, einem Industrievorort von Venedig. 1981 ermordete er seine Mutter und seinen Vater, einen Polizisten, da war er 19 Jahre alt. Sieben Jahre später nahm er sich in einem italienischen Gefängnis das Leben. Dazwischen liegen die Ereignisse, die Cédric Kahn in diesem packenden Porträt eines ewigen Außenseiters erzählt. Ein Mensch, der wie ein wildes Tier nach seinem Instinkten lebte, und der französischen Polizei, die ihn 1988 zum Staatsfeind Nummer Eins erklärte, eine monatelange Verfolgungsjagd lieferte, Schießereien, Geiselnahmen, menschliches Elend inklusive.
Wäre Roberto Succo in Hollywood entstanden, so hätten wir einen knallharten Actionstreifen, aber der französische Filmemacher Cédric Kahn verlässt die Genrekiste und konzentriert sich lieber auf die Momente, die zwischen den Gewalttaten liegen. Die Berge um Savoy, die Nächte im Wald, die Roberto Succos Flucht ausmachen, werden bis ins letzte Detail geschildert, aber die Morde kommen nur in Andeutungen vor und wenn ein Polizist stirbt oder ein Auto nach wilder Verfolgungsjagd im Graben landet, dann wird das so lakonisch beschrieben wie ein Betriebsunfall, der bei der Arbeit halt ab und zu passiert.
Nicht die Kriminalgeschichte habe ihn interessiert, erzählte Kahn beim SKIP-Interview in Cannes, wo sein Film im Wettbewerb des Festivals lief, sondern das Gesicht des Bösen, die Begegnung mit einer Bedrohung, die da plötzlich leibhaftig wurde, als ein Einzelner, sich nicht mehr an die Grenzen der Gesellschaft hielt und scheinbar grundlos zu töten begann. Als seine Flucht zu Ende war, sahen die meisten ein Monster in Roberto Succo, während manche ihn als Helden feierten, als politischen Anarchisten, der keine Regeln akzepiert außer denen, die er selbst aufstellt. Cédric Kahn enthält sich jeder Wertung. Sein Film ist die präzise Schilderung einer wahren Geschichte. Ebenso beklemmend wie einfühlsam, aber immer so genau, dass man oft beinahe vergisst, dass es sich hier trotz allem Realismus um einen Spielfilm handelt und nicht um eine Dokumentation.

SKIP-Tipp

Schon wieder ein Laie, der den Stars die Show stiehlt: Der 26jährige Stefano Cassetti, der in Roberto Succo die charismatische Titelfigur spielt, begeisterte beim Filmfestival in Cannes – auch wenn er vorher nichts mit dem Kino zu tun gehabt hatte.

SKIP-Tipp von Peter Krobath

Credits

Titel Roberto Succo
Originaltitel Roberto Succo
Genre Thriller
Land, Jahr Frankreich/Schweiz, 2001
Länge 124 Minuten
Regie Cédric Kahn
Drehbuch Cédric Kahn
Kamera Pascal Marti
Schnitt Elodie van Beuren
Musik Julien Civange
Produktion Gilles Sandoz, Patrick Sobelman
Darsteller Stefano Casseti, Isild Le Besco, Patrick Dell´Isola
Verleih Stadtkino

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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