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Intime Fremde

Confidences trop intimes

Drama. Frankreich 2004. 104 Minuten.

Regie: Patrice Leconte
Mit: Sandrine Bonnaire, Fabrice Luchini

Wie viel Lüge verträgt die Liebe? Sandrine Bonnaire und Fabrice Luchini in einem intimen Gefühlsthriller von Patrice Leconte.

Filmstart: 29. April 2005

Manchmal kann eine Lüge zur schönsten Form der Liebe werden. Etwa, wenn in Paris eine Frau zum Psychiater kommt und in unschuldiger Offenheit von intimen Eheproblemen berichtet, während der Herr Doktor rote Ohren und große Augen kriegt. William Faber (Fabrice Luchini) ist nämlich gar kein Arzt sondern Steuerberater. Die Dame hat sich an der Tür geirrt.
Woche für Woche kommt Anna (Sandrine Bonnaire) wieder und lässt den vermeintlichen Therapeuten tief in ihre Seele schauen, während der - gepeinigt von Gewissensbissen, geplagt von der Lust, mehr über seinen mysteriösen Besuch zu erfahren - unfähig ist, das Spiel zu beenden.
Im Laufe der Zeit stellt sich zwischen ihm und der Frau ein seltsames Ritual ein, das von Termin zu Termin und mit jedem Geständnis ein engeres Band zwischen den beiden schmiedet. Jedes Mal ist William aufs Neue bewegt. Fasziniert erfährt er Geheimnisse, die jede Frau üblicherweise für sich behalten würde und die außer ihm nie jemand erfahren wird.
Der französische Filmemacher Patrice Leconte hat schon mit Die Verlobung des Monsieur Hire (1989), Der Mann der Friseuse (1990) oder Die Frau auf der Brücke (1999) bewiesen, dass er wie kein Anderer die Kunst beherrscht, die Sehnsucht ins Zentrum eines Liebesfilms zu stellen. Intime Fremde geht einen Schritt weiter. Hier kommt noch das Vermischen von Sein und Schein dazu. So entsteht eine sinnliche Fantasie, die das offene Spiel mit falschen Karten zur Grundlage von Verlangen und Verführung macht. Ein klug romantisches Kammerspiel, dessen Rahmenbedingungen so wirken, als ob Sigmund Freud das Drehbuch für eine französische Sexfantasie geschrieben hätte: Alle Erotik liegt im Kopf des Betrachters. Und alle Begegnungen bleiben beschränkt aufs Behandlungszimmer. Zumindest bis die Romantik aus dem Ruder läuft.
Denn natürlich wird eines Tages der echte Gatte in der Tür des falschen Doktors stehen und Rechenschaften für die Flausen verlangen, die seiner Frau neuerdings im Kopf herumturnen. Klar wird der Steuerberater bald selbst einen Psychiater brauchen, so eine ungewöhnliche Leidenschaft macht ein Leben schließlich auch nicht leichter. Oder sollte der letzte Schluß gar falsch gewesen sein? Ist es nicht eher so, dass beide Beteiligten längst wissen, welch gewagtes Spiel sie mit ihrer Liebe treiben? Dass sie ihre falschen Tatsachen brauchen, um zu wahren Werten zu finden? Vielleicht hat Anna William längst durchschaut. Das wäre dann echte Liebe. Und die ist im Leben genauso selten wie im Kino.

Text:  Peter Krobath

Credits

Titel Intime Fremde
Originaltitel Confidences trop intimes
Genre Drama
Land, Jahr Frankreich, 2004
Länge 104 Minuten
Regie Patrice Leconte
Drehbuch Jérome Tonerre, Patrice Leconte
Kamera Eduardo Serra
Schnitt Joëlle Hache
Musik Pascal Estève
Produktion Alain Sarde
Darsteller Sandrine Bonnaire, Fabrice Luchini, Michel Duchaussoy, Anne Brochet, Gilbert Meki
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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