Macho für Kinder

Interview mit Antonio Banderas zu Spy Kids

Als Antonio Banderas sich noch durch Pedro Almodóvars Kultfilme liebte, hätte er sich nie gedacht, dass er eines Tages in Hollywood zum Held der Kinder mutieren würde. Doch genau das tut er in Spy Kids. Interview von Elisabeth Sereda.

SKIP: Antonio, hat dich die erfolgreiche Performance von Spy Kids an den amerikanischen Kinokassen überrascht?

Antonio Banderas: Nein, denn ich wagte zu hoffen. Und jetzt denken wir schon über eine Fortsetzung nach.

SKIP: Ein Film für Kinder - das ist was ganz neues in deiner Karriere, nicht wahr?

Antonio Banderas: Ja, aber ich bin ja jetzt Vater, daher kommt das vermutlich.

SKIP: In Hollywood sind Schauspieler viel mächtiger als in der europäischen Filmszene. Wie nützt du deine Macht? Und was hast du in deinen 11 Hollywood-Jahren in Los Angeles gelernt?

Antonio Banderas: (lacht) ... Wenn ich das wüßte, würde ich es ja einsetzen. Nein, das erste war, dass ich erkannte, wie schnell einem hier ein Label aufgedrückt wird. Nach Desperado wurden mir nur Drehbücher wie Der 13. Krieger und Zorro angeboten und mir wurde schnell klar, dass ich mich zum Actionhero-Klischee abstempeln lassen würde, wenn ich nicht schleunigst was anderes mache. Also nahm ich eine Rolle im Filmmusical Evita an, was damals keiner von mir erwartete, denn es war ein Risiko. Ich wollte so viele verschiedene Rollen wie möglich spielen. Daher kann ich heute von Dramen über Actionfilme, Horrormovies, Musicals, Komödien und Kinderfilme alles vorweisen. Als nächstes möchte ich - wenn wir das Geld zusammenkriegen - ein Remake des Richard-Harris-Films Snow Goose aus dem Jahr 1969 drehen. Wie mächtig ich bin, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass es für einen Schauspieler gut ist, wenn er zuviel über seine Macht nachdenkt. Das wäre ja bloß eine Übung im Narzissmus.

SKIP: In Original Sin gab es eine ungeschnittene Sexszene, über die jeder sprach ...

Antonio Banderas: (unterbricht) ... Das war mein Arsch! Mein Arsch!


Antonio Banderas: Ja, zuviel Hintern ... (lacht) ... Keine Ahnung, da hat wohl wieder die amerikanische Prüderie zugeschlagen.

SKIP: Original Sin war ja wohl ansatzweise dein erster Hollywood-Film, der es an Freizügigkeit mit deinen alten Almodóvar-Filmen aufnehmen konnte. Wie unterscheiden sich die Dreharbeiten mit einem amerikanischen Team von denen damals in Spanien?

Antonio Banderas: Vor allem dadurch, dass ich damals 15 Jahre jünger war ... (lacht) ... im August habe ich jetzt meinen 41. Geburtstag gefeiert.

SKIP: Aber das ist doch noch kein Alter. Deine Frau gilt als extrem eifersüchtig. Wie reagierte sie denn auf deine Nahkontakte mit der schönen Angelina Jolie?

Antonio Banderas: Ach, sie war ganz entspannt. An dem Tag, an dem wir die Liebesszene drehten, war sie nicht am Set. Das wäre Angelina gegenüber sehr respektlos gewesen. Ich finde ja überhaupt, dass dieser Szene viel zuviel Bedeutung beigemessen wird. Niemand redet in Amerika über 200 Tote auf der Leinwand, aber jeder ereifert sich, wenn es um Sex geht. Da fragt man sich schon, was an der Moral dieses Landes falsch ist. Verdammt nochmal, ich spiele einen Mann, der im Film mit seiner Frau Sex hat. Wie ungewöhnlich ist das...?

(Das Interview wurde an dieser Stelle durch einen plötzlichen Stromausfall unterbrochen. Eine Sirene und der Feuermelder gingen gleichzeitig los und es war stockdunkel im fensterlosen Raum - Banderas reagierte darauf)

Antonio Banderas: (spricht in die Dunkelheit) Ich bin der einzige Schauspieler in Hollywood, bei dem das Licht ausgeht, wenn er über Sex redet ... (lacht) Aber hey, reden wir ruhig weiter!

SKIP: Wird sich Melanie für die Sexszene rächen?

Antonio Banderas: Da bin ich mir absolut sicher.

SKIP: Vielleicht geht das Licht ja wieder an, wenn wir das Thema wechseln. Was für eine Rolle spielst du in dem neuen Frida Kahlo-Film?

Antonio Banderas: Ach ich hatte nur einen Drehtag. Ich spiele einen Maler namens Cikedos, über den im Film viel geredet wird, aber zu sehen bin ich kaum. Ich habe das nur gemacht, um meiner alten Freundin Salma Hayek auszuhelfen.

SKIP: Vermisst du Spanien?

Antonio Banderas: Auf alle Fälle. Ich würde gern viel mehr dort arbeiten. Aber im kommenden Jahr werde ich voraussichtlich ohnehin zu meinen Wurzeln zurückkehren und wieder mit Pedro Almodóvar einen Film drehen. Pedro verfilmt einen französischen Roman namens Tarantula. Penelope Cruz soll auch mitspielen. Außerdem möchte ich wieder Regie führen, aber diesmal in Spanien. Ich bin gerade dabei, zwei Drehbücher zu entwickeln. Manchmal denke ich sowieso, dass ich lieber gleich in Spanien hätte bleiben sollen.

SKIP: Das klingt aber sehr pessimistisch, was Hollywood betrifft.

Antonio Banderas: Ja, aber was das Regieführen anbelangt, hätte ich zuerst lieber einen Film in Spanien drehen sollen, anstatt mich mit Crazy in Alabama einem amerikanischen Studio auszuliefern, das mich mitten in der Marketingkampagne allein ließ.

SKIP: Es ist doch typisch für Hollywood, dass man dort mit einem Film wie Crazy in Alabama nichts anfangen kann, wusstest du das nicht?

Antonio Banderas: Ich war so glücklich, dass sie mich finanzieren wollten, dass ich gewisse Dinge nicht in Betracht zog.

SKIP: Vermisst du Spanien auch privat?

Antonio Banderas: Und wie! Ich vermisse meine Familie, meine Freunde, die ganze Lebensart, durch die spanischen Straßen zu spazieren, in eine Bar hinein zu wandern. Aber ich bin leider mit einer Frau verheiratet, die mit 'Gepäck' kommt, und dieses Gepäck hat Namen und Väter, die besucht werden müssen, und so kann ich nicht einfach alle Kids zusammenpacken und nach Spanien verfrachten, so gern ich das auch möchte. Ich bin nicht unglücklich über mein Leben, aber wir reden schon oft darüber, dass wir nach New York ziehen werden, wenn die zwei älteren auf sich allein gestellt sind, damit wir die Distanz zwischen Amerika und Spanien etwas verkürzen. New York mit seinen Museen und seiner Lebensart ist meiner Ansicht nach auch viel kultureller als L.A.

SKIP: Kürzlich bist du auf dem Cover der Klatschzeitschrift National Enquirer gelandet, weil deine Frau Melanie dir angeblich deine Wochenendparties mit all deinen männlichen Freunden in Las Vegas verboten hat.

Antonio Banderas: (lacht) ... Ja, das habe ich auch gelesen. Ich sagte zu Melanie: 'Du, was sind Strippers?' - "Das sind Frauen, die sich für Geld ausziehen. Wieso?" - "Na, lies das mal!" Angeblich fliege ich also jedes Wochenende mit meinen Kumpels nach Las Vegas und verbringe die Nächte in Bars mit Stripperinnen. Lächerlich. Ich war bisher zweimal in Las Vegas. Bei den Dreharbeiten zu Knocked Out und den Dreharbeiten zu The White River Kids. Beide Male habe ich außer dem Set und meinem Hotelzimmer gar nichts gesehen. Und zwar deshalb, weil ich das so wollte. Ich halte Las Vegas nicht aus. Ich kenne keine Stripperinnen, und ich fahre nicht mit einer Männerrunde nach Las Vegas, weil ich Männerrunden hasse. Ich bin nicht so ein Typ.

SKIP: Was für ein Typ bist du denn? Dir ist ja sicher klar, dass kein Außenstehender deine Beziehung zu Melanie versteht?

Antonio Banderas: Ja. Aber kein Außenstehender kann je wirklich die Beziehung von anderen verstehen. Ich empfinde für Melanie heute anders als ich es zu Beginn unserer Beziehung tat. Das rosarote Gefühl der ersten 3, 4 Monate verflüchtigt sich natürlich. Du schwebst nicht ewig auf Wolken. Und das Schöne an einer Beziehung ist ja ihre Entwicklung, das gemeinsame Verändern und das ständige Auf und Ab. Darin liegt die Weisheit einer Beziehung und ihr Erfolg. Die Leidenschaft hält nicht ewig. Aber dann verliebst du dich nach vier Jahren wieder von neuem in deine Frau. Nur um kurze Zeit später wieder zu einem bereits erprobten und eingefahrenen Muster zurückzukehren. Das ist normal. Das ist die Flexibilität von Liebe. Eine Beziehung wandelt sich von Verliebtheit in Freundschaft und gegenseitiges Verstehen. Darin liegt das große Geheimnis.

Interview: Mai 2001

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