Der Frauenversteher

Interview mit François Ozon zu Das Schmuckstück

Künstlerseelen (Angel), neurotische Damen (8 Frauen), fliegende Babys (Ricky): François Ozon hat schon fast jede finstere Ecke femininer Psyche ausgeleuchtet. Im SKIP-Interview verrät er, dass er sogar weiß, wie man sich als Trophäenweibchen fühlt. So ist das also!

SKIP: Ein Ozon-Film mit einem feministischen Touch - das ist doch einmal was Neues!

François Ozon: Das hatte ich eigentlich gar nicht vor, muss ich gestehen, aber nach der ersten Vorführung kamen viele Frauen zu mir und sagten: "Genau so ist mein Leben!“ In Frankreich wurde der Film fast zu einer Art Symbol für die Frauenbewegung, viele Feministinnen riefen mich an und bedankten sich. Eine schöne Überraschung!

SKIP: Sie wissen wirklich nicht, wo Ihre Filme jeweils hinzielen?

François Ozon: Natürlich hat man Ideen, denkt sich, das wird die Leute berühren, jenes weniger. Aber genau weiß man es nie. Aber Catherine wusste es! Als ich ihr das Skript gab, sagte sie: "Oh, das ist wie Rocky: Das ist eine Erfolgsstory, wie in einem amerikanischen Film, die Geschichte einer Erniedrigung von jemandem, der dann Genugtuung bekommt.“ Ich hatte darüber gar nicht nachgedacht, erst als sie das zu mir sagte, wurde es mir bewusst.

SKIP: Das war jetzt das erste Mal, dass Sie mit Gérard Depardieu gearbeitet haben. Er und Deneuve sind so ein großartiges Filmpaar.

François Ozon: Der Traum jedes Kinoliebhabers, nicht wahr? Die beiden gehören einfach zusammen, sie sind Teil der Geschichte des französischen Kinos. Sie in all ihren gemeinsamen Filmen gesehen zu haben und dann hier wieder zusammenzubringen, das war schon etwas ganz Besonderes. Es gibt tatsächlich eine ganz besondere Chemie zwischen den beiden. Das Lustige ist, dass Gérard in diesem Film die feminine Rolle hat, und Catherine hat die Hosen an, sie ist die Energetische. Da passiert etwas Seltsames mit den beiden. Und sie mögen sich sehr, es gibt viel Zärtlichkeit zwischen ihnen, und das sieht man auch im Film. Für mich war die Besetzung ein Traum, aber auch ganz logisch durch die Story begründet. Wenn man sich überlegt: Wer könnte Catherine Deneuves Liebhaber spielen? Da ist es vielleicht nicht sehr originell, aber Gérard Depardieu ist einfach der erste, an den man denkt. Gérard als Kommunist, ist doch perfekt!

SKIP: Identifizieren Sie sich eigentlich mit Ihren Figuren in Ihren Filmen?

François Ozon: Ja, klar, hier natürlich mit Catherine, mit dem Schmuckstück, dem Trophäenweibchen! Ich war in meinem Leben schon oft der Aufputz oder die Trophäe, ich weiß also, was das heißt. Waren Sie nie ein Schmuckstück? Oh, Sie waren sicher eines, Sie haben es nur nicht gemerkt! Es gibt oft Situationen in denen Sie nicht genau wissen, warum Sie dabei sein sollen, Sie sind nur als Dekoration da, wegen Ihres Namens oder Ihrer Bedeutung oder Ihres Aussehens. Und genau dann sind Sie ein Schmuckstück!

Interview: Magdalena Miedl / Februar 2011

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