Angewandter Kubismus

Interview mit Laurent Cantet zu 7 Tage in Havanna

7 Tage in Havanna war für den französischen Regisseur Laurent Cantet (Die Klasse, Goldene Palme von Cannes 2008) die Gelegenheit, in einer seiner absoluten Lieblingsstädte zu arbeiten. Mit einem Wermutstropfen: In Kuba selbst läuft der Film nicht im Kino.

SKIP: Was hat Sie an diesem Projekt so gereizt, gemeinsam mit sechs weiteren Regiekollegen einen Episodenfilm in Kuba zu realisieren?

Laurent Cantet: Die Hauptmotivation für mich war, in Havanna drehen zu können. Ich war zum ersten Mal vor 10 Jahren dort und bin immer wiedergekommen, ich liebe diese Stadt.

SKIP: War die Idee mit den sieben Episoden an sieben Tagen von Anfang an Konzept oder ergab sich das erst nach und nach?

Laurent Cantet: Nein, das war tatsächlich der Ausgangspunkt, auch der Titel stand schon fest bevor wir begonnen haben. Dass quasi jede Episode jeweils einen Tag darstellt, war ein spannender Teil der Aufgabe - wie auch die Vorgabe, dass jeder dafür nur fünf Drehtage zur Verfügung hatte. Einige haben glaube ich noch einen sechsten Tag ausgehandelt (grinst), aber ich fand diese Einschränkung eigentlich gut.

SKIP: 7 Tage in Havanna ist ein Film über Kuba, mit vielen kubanischen Darstellern - und doch werden ihn die Kubaner selbst kaum wo sehen können, weil er dort nicht im Kino gezeigt wird …

Laurent Cantet: Ja, das finde ich auch sehr traurig. Der Film lief nur einmal beim Festival in Havanna, da war er noch nicht einmal ganz fertig, und die Reaktionen waren wirklich überwältigend. Aber ausländische Filme werden, außer bei Festivals, in Kuba tatsächlich offiziell nicht gezeigt. Natürlich gibt es trotzdem jede Menge „geheime“ Quellen, man kann auch dort jede Menge US-Filme sehen. Ich finde es jedenfalls wirklich beeindruckend, wie sehr die Kubaner das Kino lieben. Die stellen sich, wenns sein muss, einen ganzen Tag an, nur um sicherzugehen, dass sie einen bestimmten Film auch wirklich sehen können. Und du kannst sehr qualifizierte Diskussionen hören beim Publikum, egal ob es um die Novelle vague geht oder das aktuelle chinesische Kino.

SKIP: Sie haben 2008 mit ihrer großartigen Schulklassen-Porträt Die Klasse (war auch Eröffnungsfilm der VIENNALE, Anm.) in Cannes die Goldene Palme gewonnen. Was ist eigentlich aus den jungen Laiendarstellern geworden, wissen Sie das?

Laurent Cantet: Ja klar, wir sind noch in Kontakt, wir telefonieren, schicken SMS und E-Mails. Einige arbeiten mittlerweile, nur sehr wenige haben etwas mit Kino zu tun - aber das war auch zu erwarten, es hat ja niemand bei dem Film in dem Glauben mitgemacht, danach ein großer Star zu werden. Wir hatten sehr viel Spaß bei diesem Film und wir haben alle geweint, als es vorüber war. Aber das ist es, was es war: eine Erfahrung, die wir gemeinsam genossen haben und die jetzt vorbei ist.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2013

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