New York Stories

Interview mit Greta Gerwig zu Frances Ha

Sie gilt als die jüngere, weibliche Version von Woody Allen, ist aber nicht ganz so neurotisch, sondern eine der coolsten jungen Filmemacherinnen der Gegenwart: Greta Gerwig, Hipsteridol und Mumblecore-Ikone, im SKIP-Interview über den Unterschied zwischen Muse und Künstlerin.

SKIP: Frances Ha ist ein wunderbarer New-York-Film - aber Sie sind keine New Yorkerin, oder?

Greta Gerwig: Nein, ich bin mit 18 nach New York aufs College gegangen, bin geblieben und hab die Stadt adoptiert. Die meisten New Yorker sind nicht von hier, es ist eine Stadt voller Leute, die voller Ambitionen und Träume hier angekommen sind.

SKIP: Stimmt es, dass Sie in Ihrem High-School-Jahrbuch geschrieben haben, in zehn Jahren würden Sie in New York leben und einen Woody-Allen-Film machen wollen?

Greta Gerwig: Ja, das ist wahr. Ich hatte es komplett vergessen, bis mich meine Mutter wieder daran erinnert hat - Wahnsinn, ich hab beides hinbekommen! Ganz schön verrückt.

SKIP: Wie hat sich das damals ergeben mit Woody Allen?

Greta Gerwig: Seine Castingdirektorin hatte mich in Filmen gesehen. Ich hab ein paarmal vorgesprochen und den Part (in To Rome with Love, Anm.) bekommen. Ich kann immer noch nicht ganz glauben, dass ich wirklich bei einem Woody-Allen-Film dabei war. Gäbe es seine Filme nicht, wäre ich wohl nie nach New York gegangen.

SKIP: Wenn Sie nun aufschreiben, was in zehn Jahren passieren soll, was wäre das?

Greta Gerwig: Ich hoffe, ich bin dann eine richtige Autorenfilmerin geworden. Ich stehe am Set eines Filmes nach meinem Drehbuch, führe Regie und bin umgeben von großartigen Schauspielerinnen. Ich spiele selbst nicht mit, ich will hinter die Kamera. Ich will Scorsese sein, und alle anderen ballern herum oder so (lacht). Jemand hat mir gesagt, gute Filmemacher haben ihre beste Zeit zwischen 30 und 60. Ich werde heuer 30, es ist also höchste Zeit, anzufangen.

SKIP: Frances Ha erinnert ein wenig daran, wie Woody Allen Diane Keaton gefilmt hat. Erzählt der Film auch davon, wie Noah Baumbach Sie sieht?

Greta Gerwig: Möglich, wobei der Unterschied ist, dass ich das Drehbuch mit Noah geschrieben habe. Wir haben keine Autoren-Musen-Beziehung, hier hat die Muse was mitzureden! Diane Keaton und Mia Farrow waren immer großartige Schauspielerinnen, aber ich habe sehr viel mehr Autorenschaft hier als sie damals bei Allen. Ich wehre mich gegen die Idee, nur Inspiration zu sein, das wäre für mich nicht interessant genug. Ich bin gern sowohl Inspiration als auch Schöpferin.

SKIP: Wie nahe ist Ihnen Frances?

Greta Gerwig: Wie der Mythos, demzufolge Athena vollentwickelt aus dem Kopf von Zeus geboren ist, so fühlt sich auch Frances an: Sie kommt aus einem Teil von mir, aber sie ist nicht ich. Noah und ich wussten von Beginn an genau wer sie ist, aber wir haben versucht, möglichst nicht darüber zu sprechen weil wir sie nicht "vertreiben" wollten. Klar, ich hab schon auch autobiografische Details verwendet, genauso wie er selbst Erlebtes eingebaut hat, aber das meiste ist doch erfunden. Es ist, als würde man einen Kuchen machen, da lässt sich im Nachhinein auch nicht jede Zutat wiederfinden: Oh, hier ist die Vanille! Und hier sind die Eier! Das ist alles drin und macht eben den Kuchen aus.

Interview: Magdalena Miedl / Februar 2013

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.