Blood On The Dance Floor

Interview mit Chloë Grace Moretz zu Carrie

Ihr erster Kinoauftritt war mit sechs Jahren in Amityville Horror, sie macht Bösewichter fertig in Kick-Ass, und in Let Me In spielte sie ein hungriges Vampirmädchen: Klar, dass Chloë Grace Moretz genau die Richtige ist als Nachfolgerin der telekinetisch hochbegabten Carrie.

SKIP: Kanntest du die erste Verfilmung von Carrie?

Chloë Grace Moretz: Ja, ich hab mir den angeschaut, während ich Let Me In gedreht habe, da war ich zwölf. Ich war total begeistert und wollte sofort alle Filme von Sissy Spacek und Brian De Palma sehen, ich werde immer sehr schnell zum Fangirl. Als ich dann gehört habe, dass es ein Remake geben soll, war mein erster Gedanke: "Oh, verdammt, wie wird das wohl werden!" Denn Carrie als großer Studiofilm - das könnte recht schnell ins Geschmacklose abdriften, wenn es dann nur noch ums Blut und die telekinetischen Kräfte geht. Aber als ich gehört habe, dass Kimberly Peirce dabei ist, war ich beruhigt, weil sie eine echt gute Regisseurin ist.

SKIP: Kimberly wollte unbedingt dich für die Rolle. Weißt du, warum?

Chloë Grace Moretz: Sie wollte ein Mädchen, das Carrie voll und ganz verkörpert, und deshalb war das etwas schräg für mich zu hören, weil ich eben gar nicht wie Carrie bin: Ich bin ein sehr fröhliches Mädchen, mit einer Familie, die mich liebt. Aber ich hatte damals eine arge Zeit, ich wurde gerade 15 und erlebte jenen Moment, in dem einem klar wird: Deine Eltern sind auch nur Menschen, sie sind keine unfehlbaren Personen, die auf einem moralischen Podest stehen, auch sie machen Fehler. Dass ich genau bei der Arbeit an Carrie in diese Phase kam, hat mich gezwungen, ein ganzes Stück erwachsener zu werden. Und Kimberly wollte, dass sie genau das vor der Kamera sehen kann.

SKIP: Ihre Mutter beschuldigt Carrie, dass sie vom Teufel besessen ist. Was meinst du, passiert mit ihr?

Chloë Grace Moretz: Das Buch von Stephen King erzählt, dass sie diese Fähigkeiten von ihrer Großmutter mütterlicherseits geerbt hat, und deswegen reagiert ihre Mutter so heftig und schreit nur mehr: "Hexe! Du bist der Teufel!" Sie wirft ihr grauenhafte Dinge an den Kopf, aber Carrie ist nicht vom Teufel besessen, ihre telekinetischen Fähigkeiten sind nur ein Mittel, um sich selbst kennenzulernen. Sie kriegt ihre erste Periode, sie wird körperlich zur Frau, und da wird klar: Mit dem Auftreten heftiger Emotionen und mit körperlichem Erwachsenwerden kommt auch diese Kraft. Es ist wie ein Aufblühen, sie lernt sich selbst dadurch besser kennen.

SKIP: Die schon jetzt legendärste Szene ist die ganz am Ende, in der du als Carrie komplett mit Schweineblut bedeckt bist. Wie war das beim Dreh?

Chloë Grace Moretz: Es war irre! Es gab die unterschiedlichsten Sorten von Blut, wir hatten ein ganzes Handbuch. Bei der ersten Kostümprobe gab es eine riesige Pinnwand voll Stofffetzen mit den diversen Konsistenzen von Blut, alle beschriftet: "rinnendes Blut", "getrocknetes Blut", "totes Blut" - ich meine, "totes Blut", was soll das überhaupt heißen? -, "dunkles Blut", "Staubblut", "Dreckblut" … es war total witzig. Die Schlusssequenz des Films ist ja sehr lang, und es braucht da sehr viele verschiedene Sorten Blut. Das Schweineblut ist ja schon einen Tag alt, und in der Zeit beginnt Blut zu stocken, es wird dunkler. Das Blut musste also zum Teil geronnen sein, wenn es auf mich runterfällt, es ist dickflüssig, wie Pech. Das war der erste Blutangriff. Dann kommt brennendes Blut, dann verwässertes Blut, und schließlich fliegendes Blut, das in der Luft trocknet, und all das wird immer dunkler und schmutziger. Die Gespräche am Set waren ziemlich seltsam, über "Feuerblut" und "Wasserblut" - manchmal hab ich mich gefragt: Hey, was mach ich hier überhaupt? (lacht)

Interview: Magdalena Miedl / April 2013

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