Held von Welt

Interview mit Martin Freeman zu Der Hobbit: Smaugs Einöde

Charakterkopf mit Durchschnittsgesicht: Immer wieder schafft es Martin Freeman, scheinbaren Normalos auf der Leinwand ganz große Tiefe zu geben. In Der Hobbit macht er einen kleinen Kerl zum großen Helden, SKIP traf ihn in London.

SKIP: Wie fühlt sich das an, wieder normal groß durch die Welt zu gehen?

Martin Freeman: Gut. Sehr gut! Aber man braucht nach jedem Job ein wenig Zeit, um das alles ordentlich zu verarbeiten. Jetzt habe ich genug Abstand, um wieder gerne über den Hobbit zu sprechen. Schön für Sie (lacht).

SKIP: Wer war der Hobbit für Sie?

Martin Freeman: Er ist wir. Er ist Sie, er ist ich, er ist das Publikum. Er ist die menschlichste aller Figuren dieser Saga, mit sehr menschlichen Bedürfnissen. Ruhe, Frieden und ein Leben ohne Gewalt. Tja, und er ist auch ein bisschen eingebildet und zögerlich und ängstlich. Aber trotzdem geht er mit auf diese absurde Reise, obwohl er das überhaupt nicht tun müsste, um Leuten zu helfen, die er nicht einmal mag - und entdeckt Fähigkeiten an sich, von denen er keine Ahnung hatte.

SKIP: Hat es Sie nervös gemacht, eine Figur mit so einer riesigen Fangemeinde zu spielen?

Martin Freeman: Nein, gar nicht, weil ich mich von vorn herein mit der Tatsache abgefunden habe, dass ich die Erwartungen eines wirklichen Fans sowieso nie erfüllen würde können. Der hat schon so eine konkrete Vorstellung von Bilbo im Kopf, die könnte ich nie übertreffen. Ich hab mein Bestes gegeben für alle, die einen guten Film sehen wollen. Aber meine Arbeit macht mich generell selten nervös. Wenn ich z. B. ein Installateur wäre und man mich gefragt hätte, ob ich Bilbo spielen will, dann wäre ich nervös gewesen (lacht). Aber ich bin Schauspieler, das ist mein Job. Wenn mich was daran verunsichert, dann die Dinge, die danach kommen, wenn der Job getan ist: Wenn ich mein Gesicht überall auf riesigen Plakaten sehe, das fühlt sich wirklich äußerst seltsam an.

SKIP: Sie waren Arthur Dent in der Verfilmung von Per Anhalter durch die Galaxis, spielen den Dr. Watson neben Benedict Cumberbatchs Sherlock Holmes und nun den Hobbit - anscheinend haben Sie eine echte Vorliebe für berühmte Figuren aus der Literaturgeschichte.

Martin Freeman: (lacht) Auch wenn es so aussieht, ich suche mir die Rollen nicht nach der Bekanntheit der Vorlage aus, sondern danach, ob mich das Projekt anspricht. Ich gehe immer nach dem Drehbuch - denn auch aus der allerbesten Literaturvorlage kann man ganz üble Filmversionen machen, Sie kennen da sicher ein paar Beispiele.

SKIP: Benedict Cumberbatch gibt in Der Hobbit dem Drachen Smaug Stimme und Bewegung - haben Sie am Set Sherlock-Witze gemacht?

Martin Freeman: Leider nicht! Wir hatten kaum gemeinsame Drehzeit. Aber ich bin sicher, dass er fantastisch ist als Smaug. Ich habe ja den Drachen auch noch nicht in voller Pracht sehen dürfen, aber er macht das sicher großartig.

Interview: Gini Brenner / September 2013

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