Powerzwerg

Interview mit Richard Armitage zu Der Hobbit: Smaugs Einöde

Size does matter. In Peter Jacksons Der Hobbit-Trilogie schafft Richard Armitage die Quadratur des Kreises: Sein bärtiger Zwergenkönig nimmt es in punkto Sex appeal locker mit Der Herr der Ringe-Hero Aragorn auf. SKIP traf den britische Schauspieler in Paris und sprach mit ihm über Größenverhältnisse, Jugendsünden und Sonntage in Wien.

SKIP: Normalerweise denkt man sich ja, wenn man einem Schauspieler zum ersten Mal "live" gegenübersteht: "Ich hab ihn mir größer vorgestellt!" Bei Ihnen ist es genau umgekehrt: Im Film spielen Sie einen Zwerg, in Wirklichkeit sind Sie fast 2 Meter groß. Wie haben Sie das beim Dreh gemacht?

Richard Armitage: Ach, ich bin einfach ein bisschen in die Knie gegangen und habe die Schultern hängen lassen (lacht) … nein, Blödsinn. Es gibt da jede Menge Tricks. Erstens hatte ich jede Menge Zeug im Gesicht: Meine Stirn, meine Nase und mein Kinn wurden, äh, "verbessert" - es war jedenfalls wichtig, dass mein Kopf im Verhältnis zum Körper größer wirkt, sonst stimmen die Zwergen-Proportionen nicht. Und viel ist natürlich digital entstanden. Es gibt da ein faszinierendes Verfahren, mit dem man schon beim Dreh Teile des Bilds skalieren kann, und natürlich ist sehr viel mit Greenscreen gedreht worden. Tja, und dann gibt es immer noch die gute alte Kiste zum draufstellen. Jedenfalls war es sehr ungewohnt für mich, bei Gesprächen nach oben zu schauen - das mache ich normalerweise nie. Jetzt kann ich wieder auf die Leute herunterblicken (lacht).

SKIP: Ihre allererste Bühnenerfahrung machten Sie mit 14, ausgerechnet in einer Schulaufführung einer dramatisierten Fassung von Der Hobbit. Wen haben Sie da gespielt?

Richard Armitage: Ich war der legendäre dritte Elb von links (lacht). Ich trug einen aus dicker Wolle gestrickten Kittel, der mit Silberfarbe angesprüht wurde, damit er aus der Entfernung wie ein Kettenpanzer ausschaut. Irgendwie eh ähnlich wie das, was Peter Jackson sich ausgedacht hat (lacht). Jedenfalls hab ich damals nicht verstanden, was denn genau das Problem ist zwischen den Zwergen und den Elben. Mittlerweile hat sich das diametral verändert, ich habe den Konflikt wahrhaft internalisiert. Ich kann nicht einmal mehr einen Raum betreten, in sich ein Elb aufhält (lacht).

SKIP: Sie repräsentieren in dieser Trilogie ungefähr das, was Aragorn in Der Herr der Ringe war - der toughe, heldenhafte, unfrisierte Feschak. Vergleichen Sie sich mit Viggo Mortensen?

Richard Armitage: Natürlich nicht, ich bin doch kein Ikonoklast. Jedenfalls finde ich gar nicht, dass die beiden Figuren sich sehr ähnlich sind - außer, dass sie beide ihren Quest als Könige ohne Königreich beginnen.

SKIP: Jedenfalls sind Sie der erste sexy Zwerg der Filmgeschichte.

Richard Armitage: Finden Sie? Dankeschön! Dabei gibt es doch schon Al Pacino (lacht). Aber ich weiß schon, was Sie meinen: Es ist weniger die Größe - die sieht man auf der Leinwand ja eh selten -, es ist die Gesichtsbehaarung, die dem Sex bisher im Wege stand. Aber wir haben unser Bestes getan. Vor allem die Maske.

SKIP: Wieviel Einfluss, glauben Sie, wird diese Rolle auf Ihre Karriere haben?

Richard Armitage: Naja, das kann ich natürlich schwer sagen, was das mit meiner Karriere macht … aber es hat auf jeden Fall großen Einfluss auf mich persönlich. Über einen derart langen Zeitraum eine derart berühmte Figur zu spielen, an diesem überirdisch schönen Drehort, mit diesem Regisseur, für ein derart riesiges, erwartungsvolles Publikum - das gibts nur einmal, das kommt nie wieder.

SKIP: Haben Sie Angst vor den Fans und den Paparazzi?

Richard Armitage: Das Feine ist, dass ich in "zivil" ja doch ein bisschen anders aussehe als im Film. Also bis jetzt bleibe ich jedenfalls noch verschont vom großen Ansturm und werde noch nicht regelmäßig auf der Straße erkannt - hoffentlich bleibt das so. Ich reise wirklich gerne, und das würde ich auch weiterhin gerne tun. In Wien war ich übrigens auch schon ein paarmal, das letzte Mal ist noch gar nicht lange her.

SKIP: Was haben Sie sich denn angeschaut?

Richard Armitage: Ich war im Belvedere und am Naschmarkt. Der ist wirklich super. Und dann war ich bei einem Konzert in diesem kleinen Club da unten am Fluss … wie hieß der nochmal … Flex, genau. Ich finde Wien großartig. Es gilt echt nicht umsonst als eine der lebenswertesten Städte der Welt. Ich finde das ja bei euch auch so toll, dass da Sonntage noch wirklich Sonntage sind, alle Shops geschlossen sind und die ganze Welt einfach mal Pause macht.

Interview: Gini Brenner / November 2013

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