Spiel, Sätze & Sieg

Interview mit Corneliu Porumboiu zu The Second Game

Der rumänische Filmemacher Corneliu Porumboiu (12:08 East of Bucharest) schaut sich mit seinem Vater ein legendäres Fußballmatch an und erklärt damit den Untergang des Kommunismus. Uns erzählte er, was das mit Buster Keaton zu tun hat.

SKIP: Wie sind Sie auf die Idee für diesen Film gekommen?

Corneliu Porumboiu: Im Fernsehen wurde bei einem Fußballerporträt ein Ausschnitt daraus gezeigt. Ich habe mir dann die DVD besorgt und sie mitgenommen, als ich meine Eltern besucht habe. Da hatte ich zwar ein Mikro mit, aber noch keine Ahnung, was daraus werden sollte. Und jetzt sieht mein Film vielleicht ein bisschen wie ein Homemovie aus, aber letztlich gehts nicht nur um die Familiengeschichte, sondern die Geschichte unseres Landes. Es machte auch ungemein Spaß, das Spiel auf die große Leinwand zu holen: Man hat viel tougher gespielt als heute, das hat ja schon fast was von Menschenkunde, das ist ein echter Ausschnitt aus dem Leben, aus der Zeit. Und wie man versucht hat, zu mogeln, das war ein anderer Zugang. Auch wie man gefilmt hat: Damals gab es noch keine Stars, keine Zeitlupe, keine Großaufnahmen. Ein Spiel wie dieses gibt es heutzutage nicht mehr. Das war fast ein anderer Sport.

SKIP: Was bedeutet Fußball für Sie?

Corneliu Porumboiu: Ich wollte als Kind Profispieler werden, ich habe täglich mit meinem Vater trainiert - da er selbst Schiedsrichter war, war das schon eine gute Schule, vor allem in Sachen Taktik, auch wenn ich darin nie gut war, ich habe mich mehr für Geometrie interessiert. Ich spiele auch heute noch gern, wenn ich Zeit habe.

SKIP: Wie geht es Ihrem Vater damit, dass jetzt ein Kinopublikum seine Kommentare zum Spiel hören wird?

Corneliu Porumboiu: Ich weiß nicht, ob ihm das so bewusst ist. Überhaupt, meine Arbeiten zählen ja in seinen Augen nicht, da gelten nur die großen Filme als Kino. Er fragt mich noch heute, wann ich endlich einmal "einen richtigen Film" machen werde (lacht).

SKIP: Ihre Filme beginnen oft persönlich und werden dann politisch …

Corneliu Porumboiu: Ja, das stimmt. Dafür ist meine Kindheit verantwortlich, die hat dazu geführt, dass ich die Welt eben mit bestimmten Augen sehe. Das Rumänien dieses Films ist natürlich Geschichte. Der Lauf der Geschichte ändert sich schnell, aber die Mentalität nicht, das dauert Jahre. Das wird sich wohl erst bei der Generation meiner Tochter zeigen. Im Grunde ist jeder meiner Filme eine Art Debatte, aber immer anders, ich hasse es, mich zu wiederholen. Aber alle meine Filme haben Humor, auch wenn er jedes Mal anders geschrieben ist. Manchmal habe ich den Eindruck, als ob alle meine Figuren von Buster Keaton abstammen, weil sie immer so ernsthaft bemüht sind.

Interview: Julia Pühringer / September 2014

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