Magic Moments

Interview mit Ian McKellen zu Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere

Bereits 1979 wurde der britische Shakespeare-Darsteller zum Sir geadelt, doch erst im respektablen Alter machte ihn die Rolle als Fantasy-Magier zum internationalen Superstar. SKIP traf den hinreißend witzigen Ian McKellen in London zum allerletzten Gandalf-Abschiedstalk.

SKIP: Es sind gute 15 Jahre vergangen seit dem Drehstart des ersten Der Herr der Ringe-Teils. Was bleibt für Sie von den Erfahrungen dieser sechs Filme am meisten hängen?

Ian McKellen: Es ist jedenfalls ein großer Teil meines Lebens geworden. Neuseeland kommt da natürlich ganz als erstes in den Erinnerungen. Ich bin unzählige Male hin- und hergereist, und jedes Mal war es, als ob die Familie dort auf mich warten würde – es waren ja immer praktisch die gleichen Leute, bis runter zu den Maskenbildnern und den diversen Assistenten.

SKIP: Wie haben Sie das für sich selbst für so lange Zeit interessant gehalten? Es muss ja auch mal Tiefpunkte gegeben haben in der ganzen Zeit?

Ian McKellen: Nicht mehr als in anderen Jobs. Mein Herz wendet sich jedenfalls nicht angewidert ab, wenn ich darüber nachdenke (lacht). Und wenn du wochenlang in Neuseeland mit Topexperten und Filmemachern wie mit einem fahrenden Zirkus herumziehst und dabei an Plätze gebracht wirst, die du sonst niemals sehen würdest, dann fallen die vielleicht paar Tage Langeweile bei Regenwetter nicht ins Gewicht. Das einzig Schwierige an der Sache war, so lang und so weit von zu Hause weg zu sein.

SKIP: Wie war es für Sie als alten Hasen, mit diesen vielen jungen Schauspielern zu arbeiten?

Ian McKellen: Großartig. Martin Freeman ist für mich wohl einer dieser Schauspieler, der die Filmschauspielkunst wirklich eine Stufe weiterbringt. Ich habe schon öfter erwähnt, dass ich gerne bei ihm Schauspielstunden nehmen würde. Er gehört bereits zu einer Generation, wo Film neben Theater etwas Selbstverständliches war, für mich passierte das ja erst sehr spät in meinem Leben. Ich musste erst ganz neu lernen, wie man das macht und fühle mich immer noch als Schüler in dem Bereich.

SKIP: Und wie lief es mit Cate Blanchett?

Ian McKellen: Was für eine Frage - ich liebe Cate! Und sie mich natürlich auch. Ich glaube, sie hat mich sogar mal gefragt, ob ich sie heiraten würde (lacht). Aber natürlich hat sie ja schon einen Ehemann - und ich bin, wie Sie ja wissen, auch nicht ernsthaft interessiert.

SKIP: Wenn wir die Filme sehen, staunen wir auch über diese Riesenmaschinerie hinter den spektakulären Bildern. Was hat Sie am meisten daran beeindruckt?

Ian McKellen: Sagen wir so: Wenn ich jemals Neuseeland erobern wollen würde, würde ich bestimmt Peter Jackson für meinen Feldzug buchen.

SKIP: Wie hält er das alles zusammen?

Ian McKellen: Mit viel Temperament. Er redet auch nie über seine Probleme, so er denn welche hat. Er ist generell sehr ruhig, sehr fokussiert. Und er ist umkreist von diesen Tausenden von Leuten, die alle Jobs machen, die ich nicht verstehe. Bei dem Computerzeugs steige ich sowieso komplett aus. Aber Peter versteht es. Der Kerl quatscht mit Designern, löst die schwierigsten Probleme, studiert die Wetterlage - aber wenn er beim Take ist, ist trotzdem irgendein winziger Teil im Dialog oder ein Tonfall des Schauspielers das Allerwichtigste für ihn. Er kann sich einfach auf den Punkt und die Situation perfekt fokussieren, das gibt dir als Schaupieler natürlich sehr viel Vertrauen. Wenn er am Abend sagt: "Passt, alles im Kasten", dann hast du die Gewissheit, dass das auch wirklich so ist.

SKIP: Was nehmen Sie persönlich von Gandalf mit?

Ian McKellen: Einen Teil der Bewunderung und des Respekts, den diese Figur bekommt - und die ich ja eigentlich gar nicht verdient habe (lacht). Er war ja schon lange vor den Filmen eine Ikone, ich erinnere mich noch, als die Bücher damals rauskamen, gab es in den USA einen Button "Gandalf for President". Ich spiele ihn ja nur, habe meine Zeilen gelernt und den Bart angeklebt. Jedenfalls sagte ich mir früher oft: Wäre es nicht toll, in einem echten Filmklassiker mitzuwirken? So einer, den die Leute immer und immer wieder anschauen? Und dieser Wunsch ist nun tatsächlich in Erfüllung gegangen - und noch dazu gleich sechsfach!

SKIP: Sehr viele der Beteiligten haben sich nach Ende der Dreharbeiten als Erinnerung ja ein Tattoo stechen lassen. Sie ja auch, nicht wahr?

Ian McKellen: Ja klar, das ist da irgendwo. Sie sollten die anderen fragen, wo ihre sind, besonders bei Orlando zahlt es sich aus (lacht)!

SKIP: Könnten Sie jetzt ganz am Schluss noch ein Geheimnis lüften: Was haben Sie da ständig in Ihren Pfeifen geraucht?

Ian McKellen: (lacht) Das bleibt natürlich ein Geheimnis. Aber Sie haben da einen ausgesprochen interessanten Aspekt aufgegriffen: Diese sechs Filme sind nun wohl auch die größten Kinderfilme aller Zeiten - und fast alle Charaktere rauchen. Nur hat das anscheinend keiner bemerkt!

Interview: Kurt Zechner / September 2014

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