Mommy Dearest

Interview mit Susanne Wuest zu Ich seh Ich seh

Ätherisch schön, beängstigend fremd: Susanne Wuest spielt in Ich seh ich seh mit großer Intensität eine Frau, die ein schreckliches Geheimnis bewacht. SKIP traf die charismatische Wienerin zum Interview.

SKIP: Wie bist du zu diesem Projekt gekommen?

Susanne Wuest: Ich habe mit Peter Kern Mörderschwestern gemacht, und während der Dreharbeiten haben Veronika Franz und der Severin Fiala eine Dokumentation über den Peter gemacht. Eines Abends saßen wir beinander, und die Veronika schaut mich quer über den Tisch an und sagt: "Susanne, du solltest in einem Horrorfilm sein!" Zuerst hab ich gelacht, aber über ein Jahr später sind die beiden tatsächlich mit einem fertigen Skript auf mich zugekommen.

SKIP: Wie war der Dreh?

Susanne Wuest: Es war vor allem faszinierend zu sehen, wie schnell das Ganze mit diesem wirklich brillant geschriebenen Skript vollzogen war. Wir drehten im nördlichen Niederösterreich, in der Nähe von Haugschlag, mit einem sehr kleinen Team und sehr intensiver Arbeit. Ich habe die ganze Drehzeit lang das Set nicht verlassen, das waren ungefähr zweieinhalb Monate. Ich bin nie weggefahren, habe in dieser Zeit mit niemandem außerhalb des Teams Kontakt gehabt - und ich bin viel gelaufen zu der Zeit, in der Früh vor dem Dreh eine Runde um den See, und nachher noch eine. Ich hatte wirklich ziemlich gute Kondition.

SKIP: Wie ging es mit den Kindern? Es ist ja doch eine ziemlich arge Geschichte, wie sind die damit umgegangen?

Susanne Wuest: Es wurde natürlich von vorn herein darauf geachtet, die richtigen Kinder zu finden. Die Zwillinge kannten die ganze Geschichte anfangs auch gar nicht, sie hatten auch kein Drehbuch. Und für die beiden war das wirklich alles ein einziges großes Spiel - es war echt schwer, sie zu schocken (lacht). Ich glaube, das ist auch mit ein Grund, warum der Film so gut funktioniert.

SKIP: Für deine Filmfigur ist ihre Optik sehr wichtig. Wie ist das bei dir? Du wirkst extrem uneitel.

Susanne Wuest: Das ist auch so. Ich bin, was das angeht, ein fauler Mensch. Und Eitelkeit ist irrsinnig anstrengend. Außerdem hatte ich nie das Gefühl, dass das Aussehen für meine Arbeit so wesentlich ist, ich hatte auch nie Rollen, deren Grundeigenschaft Schönheit ist. Gerade diese sterile, normierte äußerliche Perfektion, die man heute so oft sieht, finde ich traurig, weil sie verneint, wie Menschen sind. Menschen sind halt manchmal unappetitlich und grauslich. Und das macht uns auch liebenswert. Menschen sind doch viel interessanter, wenn sie nicht fehlerlos sind, sondern Makel und Charakter haben. Schön ist nicht gleich attraktiv. Ich fühle ich mich zum Glück nicht unter Druck gesetzt, ein makelloses Erscheinungsbild zu haben, und da bin ich sehr froh drüber. Außerdem finde ich, je älter man wird, desto entspannter wird man.

Interview: November 2014

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