Die andere Hälfte

Interview mit Greta Gerwig zu Maggies Plan

In Maggie’s Plan spielt die hinreißende Greta (Greenberg, Mistress America) eine junge Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt. Im Interview geht’s um Frauenrollen im Kino.

SKIP: Maggie’s Plan ist ein schönes Beispiel für eine „moderne“ Liebeskomödie …

Greta Gerwig: Ja, und gleichzeitig altmodisch im besten Sinne. Liebeskomödien haben in den letzten Jahrzehnten ihren Biss verloren. Wenn man sich Filme aus den 30ern und 40ern ansieht, die waren viel mutiger und gewagter. Früher drehte sich die Handlung auch viel mehr um die eigentlichen Charaktere und wie sie sich zusammenraufen. Später ging’s nur mehr um weibliche Stereotypen und wie die den „einzig wahren Richtigen“ finden.

SKIP: Wie aufgeregt war Ihr innerer Teenager über die Kussszenen mit Ethan Hawke?

Greta Gerwig: (Lacht). Für mich war Ethan eigentlich nie ein Sexsymbol, sondern eher eine Identifikationsfigur. Sein Film, der mich am meisten berührt hat, war Der Club der toten Dichter – weil ich mich damit so identifizieren konnte. Ein Dichter, ein Schauspieler sein zu wollen, aber immer zu wissen, dass das unerreichbar ist. Das war ich, damals.

SKIP: Es gab – und gibt – ja im Kino generell wenige weibliche Identifikationsfiguren, wenn’s nicht um die Liebe oder ums Kochen geht.

Greta Gerwig: Ja, stimmt. Die Heldenreise ist gemeinhin eine Aufgabe, die Männern oder Buben zugedacht wird. Aber ich bin sehr froh, dass es mittlerweile eine echte Diskussion über die Rolle der Frauenfiguren im Film gibt – und daran auch die echten EntscheidungsträgerInnen beteiligt sind, die FilmemacherInnen und die ProduzentInnen nämlich. Ich habe mich immer besonders für Literatur, Theater und Kino interessiert – die Medien, die Geschichten erzählen. Weil ich glaube, dass wir durch diese Geschichten die Werte vermittelt bekommen, nach denen wir unser Leben gestalten. Aus diesen Geschichten lernen wir, was zählt und was wichtig ist. Und wenn eine ganze Hälfte der Menschheit in diesen Geschichten nicht wirklich vorkommt, dann wird schlicht vermittelt, dass diese Menschen nicht so wichtig sind. Als Frau wächst man mit Geschichten auf, die dich glauben lassen, dass dein Leben nur wichtig ist, um die Geschichte eines anderen weiterzutreiben. Und ich sehe es als meine Verantwortung als Filmemacherin, das anders zu machen. Ich freue mich immer, wenn ich ein Kunstwerk sehe, das von einer Frau geschaffen wurde. Nicht, weil es von einer Frau ist – sondern weil dahinter eine Frau steckt, die die Kraft aufgebracht hat, sich als Künstlerin zu verwirklichen und der Welt zu zeigen: Ich bin es wert, für das wahrgenommen zu werden, was ich erschaffe.

Interview: Gini Brenner, Kurt Zechner / Februar 2016

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.