Lachen statt Drachen

Interview mit Emilia Clarke zu Ein ganzes halbes Jahr

Es muss Vorsehung gewesen sein, dass ihre Figur in Ein ganzes halbes Jahr fast denselben Namen wie Emilia Clarke trägt. Denn verglichen mit ihrer toughen Drachenmama Daenerys im Serienhit Game of Thrones würde die Rolle der lustig-überdrehten Louisa Clark ihrem Naturell weit mehr entsprechen, wie sie SKIP exklusiv verriet.

SKIP: Wie würden Sie denn Ihren Zugang zur Rolle der Lou in Ein ganzes halbes Jahr beschreiben, wie hat Ihre Vorbereitung ausgesehen?

Emilia Clarke: Tja, die Vorbereitung auf Lou ist mir tatsächlich total leichtgefallen. Beim Lesen des Buchs habe ich mir bereits die ganze Zeit gedacht: „Oh Gott, jemand hat mich niedergeschrieben! Jemand hat mich genommen und zur Romanfigur gemacht!“ Zu jener Zeit drehte ich zudem grad Terminator: Genisys, da erschien mir die Rolle als eine sehr willkommene Luftveränderung.

SKIP: Apropos Luftveränderung: Lou unterscheidet sich auch recht deutlich von Ihrer bis dato bekanntesten Figur, „Khaleesi“ Daenerys Targaryen aus Game of Thrones.

Emilia Clarke: Game of Thrones ist natürlich das Größte und Bekannteste, das ich bis dato gemacht habe, von daher assoziieren mich klarerweise viele Menschen mit Daenerys. Und die ist eben eine Figur, die im Leben nicht unbedingt besonders viel zu lachen hat. Ich selbst bin aber – und da ist Lou nicht so viel anders – jemand, der auch gern rumalbert und Witze reißt, der gern Spaß hat.

SKIP: Wie haben Sie es geschafft, den Bogen von den erwähnten fröhlichen zu den eher tragischen Noten des Films zu spannen?

Emilia Clarke: Das war gar nicht mal so schwierig, weil dieser Wechsel auch wirklich schon so toll im Roman verankert ist, dass man sich als Schauspieler einfach nur darauf einlassen muss. Uns allen hat einfach sehr viel an der Geschichte von Lou und Will gelegen – das merkt man hoffentlich auch.

SKIP: Von Daenerys Targaryen bis Sarah Connor: Sie spielen in Ihren Filmen und Serien häufig starke Frauen. Würden Sie sich im echten Leben selbst auch als eine solche bezeichnen?

Emilia Clarke: Für mich kommt es bei dieser Frage vor allem darauf an, wie sich diese Stärke denn nun äußert. Gemeinhin spiele ich Frauen, die ihre Stärke in echt extremen Situationen unter Beweis stellen müssen. Und danach, also nach dem Umbringen von einem Haufen von Leuten oder dem Herrschen über unzählige Länder, wird dann bemessen, was es heißt, eine starke Frau zu sein. Ich denke aber eher, dass man Stärke – genauso wie etwa Erfolg – auch auf einer ganz individuellen Basis messen kann. Der Erfolg des einen kann für den anderen einfach nur die reine Alltagsroutine sein – was den Erfolg deshalb aber nicht schmälert. Um also auf mich zurückzukommen: Ich sehe mich schon als starke Person, aber ich bin definitiv nicht Sarah Connor oder Daenerys Targaryen.

SKIP: Nachdem wir nun also teilweise auch Ihre ausgelassenere Seite kennenlernen durften: Könnten Sie sich vorstellen, einmal in einer klassischen Komödie mitzuwirken?

Emilia Clarke: Unbedingt! Ich bin ja als Kind gewissermaßen mit Lucille Ball aufgewachsen. Sie war eine sehr bekannte, wirklich sehr lustige Slapstick-Comedienne der Fifties, von der ich von meinem vierten Lebensjahr an echt besessen war. Also ja, Comedy wollte ich immer schon einmal machen!

SKIP: Welche Comedy-Schule haben Sie denn heute lieber – die britische von etwa Ricky Gervais oder, früher, Monty Python oder eher die amerikanische von, sagen wir, Will Ferrell?

Emilia Clarke: Das hat für mich beides seine Meriten. Meine komödiantische Sozialisation ist natürlich im Grunde schon eine sehr englische. So was wie Monty Python habe ich also gewissermaßen im Blut. Aber Will Ferrell liebe ich natürlich auch sehr!

SKIP: Haben Sie Ihre Rolle in Ein ganzes halbes Jahr eigentlich bewusst auch dahingehend gewählt, dass Sie endlich mal in Ihrer britischen Heimat drehen können?

Emilia Clarke: Das wäre wohl etwas übertrieben formuliert, aber ich habe es natürlich schon richtig genossen, einmal in London arbeiten zu können. Hey, ich konnte nach den Drehs echt in meinem eigenen Bett schlafen! Einfach wunderbar, ich hatte das zuvor echt noch nie.

SKIP: Von Burgen sind Sie natürlich dennoch wieder umgeben gewesen …

Emilia Clarke: Ich weiß, ich weiß. (schmunzelt) Und selbstverständlich waren auch wieder Drachen involviert! Viele Außendrehs fanden ja in Wales statt, dessen Flagge, ganz genau, ein Drache ziert … Ich dachte mir nur: „Oh Gott, Burgen und Drachen, sie sind wirklich überall! Ich muss immer noch am Set von Game of Thrones sein!“ (lacht)

Interview: Christoph Prenner, Foto: © Warner / Juni 2016

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