Wer spinnt, gewinnt

Interview mit Tobey Maguire zu Spider-Man

Klein, schüchtern, Superheld. Dass Tobey Maguire (Der Eissturm, Gottes Werk und Teufels Beitrag) Hollywoods Spider-Man sein würde, war eine der größten Kino-Überraschungen des neuen Jahrtausends. Gini Brenner ging Tobey beim SKIP-Interview in L. A. exklusiv ins Netz.

SKIP:Tobey, du warst immer eher schmächtig – aber in Spider-Man hast du mächtig Muskeln angelegt. Braucht ein Superheld auch einen Super-Body?

Tobey Maguire: (lacht) Nun, der Spinnenbiss verleiht Peter Parker ja übermenschliche Kraft, und das soll man schließlich auch sehen können. Außerdem ist man, wenn man nicht wirklich superfit ist, den Anforderungen eines Action-Films gar nicht gewachsen.

SKIP: Aber wie bekommt man so schnell einen Schwarzenegger-Look?

Tobey Maguire: Ich habe volle fünf Monate lang jeden Tag zwei bis fünf Stunden lang trainiert. Eine Kombination aus Workout, Yoga, Martial Arts, Gewichtheben und Ausdauer-Training wie Radfahren und Laufen. Ich hatte einen eigenen Ernährungsberater für meine megagesunden sechs Mahlzeiten pro Tag. Das Problem ist nur, dass man, sobald man mit dem intensiven Training aufhört, sofort wieder Muskeln abbaut. Also geht die ganze Schikane vor Spider-Man 2 wohl wieder von vorne los (lacht).

SKIP: Regisseur Sam Raimi wollte unbedingt dich, und nur dich, als Spider-Man haben. Nur waren die Studio-Bosse von dieser Idee zunächst gar nicht überzeugt. Wie habt ihr sie schließlich rumgekriegt?

Tobey Maguire: Ich war ja zunächst selber skeptisch, als mir mein Agent von der Rolle erzählte – ich bin nun mal, wie die meisten, die sich für Filmfans halten, drauf konditioniert, große Special-Effects-Filme prinzipiell oberflächlich zu finden (lacht). Aber nachdem ich erfuhr, dass Sam Regie führen würde und das Skript gelesen hatte, wollte ich die Rolle. Also ließ ich mich breitschlagen, einen Screen-Test zu machen. Das ist normalerweise etwas, was nur relativ unbekannte Schauspieler tun müssen, die noch keine oder nur wenige Filme gedreht haben, um ihre Wirkung vor der Kamera zu beweisen. Aber ich schluckte meinen Stolz runter und las ein paar Szenen in die Kamera. Dann kam die Antwort vom Studio. "Ein toller Schauspieler ... aber wir glauben nicht, dass er die Action-Szenen hinkriegt." Ich wollte denen wirklich den Stinkefinger zeigen, aber Sam hat mich bekniet und gesagt, er macht den Film nicht ohne mich. Das hat mein Ego wieder motiviert. Also hab ich mich in einen blauen Ganzkörper-Anzug stecken lassen und ein paar Kampfszenen gedreht. Ich war schon ziemlich gut in Form damals, und so hab' ich das Oberteil gleich mal weggelassen, damit man meine Muskeln sehen kann (lacht). Das hat die Studioleute dann so beeindruckt, das sie endlich ihr Okay gegeben haben.

SKIP: Bei wie vielen von den Action- und Kampfszenen hast du eigentlich selber im Stretch-Anzug gesteckt?

Tobey Maguire: Ich habe immer erst dann an die Stuntmen übergeben, wenn es für mich zu gefährlich wurde. Manche der Szenen waren recht riskant (Bei einem spektakulären Hochhaus-Sprung zerschmetterte sich ein Stuntman z. B. den Oberschenkelknochen, Anm.). Aber bei den Kampfszenen haben wir uns ziemlich ins Zeug gelegt. Besonders Willem. Der hat mich oft ganz schön verhauen.

SKIP: Die Erwartungen an diesen Film waren extrem hoch. Wie gingst du mit dem Druck um?

Tobey Maguire: Ich kümmere mich nicht um Erwartungen. Ich versuche, mein Bestes zu geben – das muss reichen.

SKIP: Bist du selber Spider-Man-Fan wie Sam Raimi?

Tobey Maguire: Ich habe als Kind nie Comics gelesen – weder Spider-Man noch andere. Natürlich kannte ich ihn, aber ich war nie Fan.

SKIP: Welche Helden hattest du als Kind?

Tobey Maguire: Wenn überhaupt, dann waren das immer Menschen in meiner näheren Umgebung. Ich habe auch nie, wie die meisten anderen, irgendwelche Sportler verehrt – die konnten mir mit all ihren TV-Interviews schließlich auch nicht bei den wirklichen Problemen des Lebens helfen: Zum Beispiel dabei, wie man ein Girl anspricht (lacht).

SKIP: Peter Parker wird vom Schüchti zum Superheld, du jetzt vom eher zurückhaltenden Charakterdarsteller zum Superstar. Fühlst du dich Peter irgendwie ähnlich?

Tobey Maguire: Manchmal. Genau wie er gab's jede Menge Momente in meinem Leben, wo ich mit einem Mädchen reden wollte und mich dabei anstellte wie der größte Idiot (lacht). Ich war auch nie wirklich der Coole von der Schule. Und mittlerweile kann ich viel von dem nachvollziehen, was Peter dann durchmacht: Er wird erwachsen und muss plötzlich viel Verantwortung übernehmen. Das ist genau das, was ich jetzt gerade erlebe.

SKIP: Zwischen dir und Kirsten Dunst spürt man förmlich die Funken fliegen, besonders in der großartigen Kussszene, bei der du kopfüber von einer Hauswand hängst. Wie viel davon habt ihr in euer Privatleben mitgenommen?

Tobey Maguire: Alles nur Theater. Wir sind schließlich Schauspieler (grinst).

SKIP: Trotzdem: Würdest du das Kopfpfüber-Küssen als Liebestechnik weiter empfehlen?

Tobey Maguire: Auf keinen Fall! Ich war kopfüber, es war fünf in der früh, und ich hatte die ganze Nacht durchgearbeitet, es hat aus Kübeln geregnet, und das Wasser ist mir in die Nase geronnen. Ich habe überhaupt keine Luft gekriegt – meine Nase war ja voll Wasser und durch den Mund habe ich auch nicht atmen können, weil da ja Kirsten an mir dran war. Das war extrem unbequem. Obwohl, ehrlich gesagt, ein klein wenig habe ich den Kuss trotzdem genossen (grinst).

Interview: April 2002

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