Black Attack

Interview mit Tommy Lee JonesWill Smith zu Men in Black II

Schwarzer Humor auf einem ganz neuen Level. Will Smith und Tommy Lee Jones sind nicht nur als Men in Black II-Dreamteam unglaublich komisch - auch in Zivil spielen die coolen Schwarzarbeiter mit scharfen Pointen Pingpong. Und nebenbei musste SKIP-Agent Kurt Zechner beim Exklusiv-Interview in New York aufpassen, nicht selbst als Alien enttarnt zu werden.

SKIP: Ihr habt jetzt zwei Filme gemeinsam gedreht und reist auch viel rum. Seid ihr mittlerweile sowas wie Freunde geworden?

Will Smith: Ja, wir hängen immer gemeinsam in Rap-Clubs ab.

Tommy Lee Jones: ... und in der Rodeo-Arena. Wir sind einfach Buddies.

SKIP: Der außerirdische Mops Frank, den wir schon aus dem ersten Teil kennen, hat in Men in Black II seinen ganz großen Auftritt. Habt ihr euch während der Dreharbeiten nie Sorgen gemacht, dass euch ein sprechender Hund die Show stehlen könnte?

Tommy Lee Jones: Ach komm, der Hund hatte doch nie eine Chance gegen uns.

Will Smith: Angst? Nein. Ich bin eine Comedy-Hure: Wann immer irgendwo ein guter Witz in der Luft liegt, bin ich dabei - und den kann dann machen, wer will, das ist mir völlig egal. Ich will, dass die Leute lachen, dass sie aus dem Kino rauskugeln und sagen: "Das war zum Brüllen!" Ob das ich, ein sprechender Hund oder Würmer aus dem Computer schaffen, ist mir egal. Wir haben schon am Set gespürt, dass jede Szene, bei der der Hund nur sein Maul öffnete, einfach umwerfend komisch war. Genauso lief es bei den Würmern. Aliens sind halt einfach von Natur aus lustig (grinst).

Tommy Lee Jones: Mir gehts genau so ... (zweifelnd) aber findest du wirklich, dass der Hund sooo toll war? Besser als wir?

Will Smith: (flüstert Tommy Lee Jones ernst ins Ohr) Tommy, der Hund hat eine großartige Performance hingelegt, wir müssen das anerkennen.

Tommy Lee Jones: Aber er ist immer noch ein Hund. Wir sind doch auch komisch!

Will Smith: (flüstert weiter) Ach komm, Tommy, du hast doch schon so viele tolle Erfolge gehabt. In Auf der Flucht z. B. warst du doch super ...

Tommy Lee Jones: Ja, aber das ist schon verdammt lange her.

SKIP: Tommy, dafür hattest du in einer Szene das Vergnügen, die Zunge von Lara Flynn Boyle ins Ohr gesteckt zu bekommen. Angeblich ist das sehr spontan passiert ...

Tommy Lee Jones: Na ja, ganz so spontan, wie ichs vielleicht gerne hätte, wars wohl nicht. Regisseur Barry Sonnenfeld hat Lara aufgetragen, mit ihrer Zunge in meinem Ohr herumzuspielen. Er wollte noch ein bisschen Extra-Kohle für Special-Effects rausschinden und aus dieser Szene was Spektakuläres machen - was dann ja auch geschah. Für mich war die Sache natürlich sehr angenehm.

Will Smith: Es gab sogar eine Szene, in der ich meine Zunge in Tommys Ohr steckte.

Tommy Lee Jones: Ja, aber das war weniger schön.

Will Smith: Genau, deshalb ist dieser Take auch nicht in den Film gekommen.

SKIP: Nachdem ihr ja jetzt schon die Erfahrung von zwei Men in Black-Filmen habt: Welche Erdenbewohner sind in Wahrheit Außerirdische?

Tommy Lee Jones: Von welchem Planeten bist du nochmal, Kurt?

Will Smith: Haha, der hat tatsächlich gemeint, wir merken es nicht. Security! Könnt ihr dieses Wesen bitte entfernen? (lacht) Nein, OK, wir lassen dich ausnahmsweise hier.

SKIP: Danke sehr. Wer ist außer mir auf der Erde noch verdächtig?

Will Smith: Hey Mann, lenk nicht ab, momentan nur du. Wir wissen, was da läuft. Nach dem Interview werden wir uns dein Visum mal ganz genau ansehen.

SKIP: Ihr habt bei Men in Black II sehr viele Szenen, die mittels Blue Screen entstanden sind. Wie war es, mit Gegenübern zu arbeiten, die beim Drehen noch gar nicht vorhanden sind?

Tommy Lee Jones: Nun, es ist mehr oder weniger derselbe Job. Als Schauspieler wird ja oft unsere Vorstellungskraft gefordert. Es ist also nicht sowas völlig anderes, mit CGI zu arbeiten.

Will Smith: Manchmal versuchten sie, meine Vorstellungskraft zu unterstützen, indem sie mir einen Kerl hinstellten, der die ganze Zeit mit einem langen Stock vor meiner Nase herumfuchtelte und dazu "Uahhh!" brüllte. Nachdem der dann eine Zeitlang rumgehampelt ist, sagte ich meistens: "Wisst ihr was, Leute, ich stell mir das Alien lieber selbst vor!"

SKIP: Tommy, du hast offenbar keine Angst davor, dich auf der Leinwand in albernen Outfits zu präsentieren. Wir haben dich schon in einem Hähnchen-Kostüm (in Auf der Jagd, Anm.) gesehen, dieses Mal zeigst du dich in Postler-Bermudashorts. Gibt es irgendeine Grenze, die du in diesem Zusammenhang nicht überschreiten würdest?

Tommy Lee Jones: Nein, für Geld mache ich alles.

SKIP: Du würdest also z. B. auch Frauenkleider tragen?

Tommy Lee Jones: Selbstverständlich.

SKIP: Will hat für die ersten beiden Men in Black-Filme die Titelsongs beigesteuert. Wirst du beim dritten Teil zum Mikro greifen, Tommy?

Tommy Lee Jones: Ich kann beim besten Willen keinen Ton halten. Ich bin kein besonders musikalischer Kerl.

Will Smith: Ich hab Tommy oft gefragt, ob er mit mir tanzen geht, er hat immer abgelehnt. Aber einmal sind wir durch einen Flughafen gegangen, ich glaub das war in Seoul, Korea, und da lief Musik. Plötzlich hat Tommy unauffällig einen coolen rhythmischen Gang hingelegt, ein bißchen wie John Travolta in Saturday Night Fever. Er dachte, ich bemerke das nicht.

Tommy Lee Jones: Aha. Hm. Nun gut, ich gebs zu: ich bin ein fantastischer Tänzer - allein im Hotelzimmer vorm Spiegel. Und als Sänger bin ich besser als Placido Domingo - allein, unter der Dusche. Aber das alles bricht zusammen, sobald jemand zuschaut.

SKIP: Tommy, welche Überlegungen gehen dir durch den Kopf, wenn du dich zwischen einem lustigen und einem ernsteren Filmprojekt entscheiden musst?

Tommy Lee Jones: Ach, in meinem Kopf passiert nicht viel Besonderes. Ich bin einfach immer nur froh, einen Job zu haben. Und natürlich besonders froh über diesen Job. Ich hab den ersten Teil wirklich sehr gemocht, und die Drehs mit Barry Sonnenfeld und Will Smith waren wohl die glücklichsten Tage meines kurzen Arbeitslebens. Komödien sind sehr schwierig, und ich habe das Glück, mit den Besten zu arbeiten und viel über das Genre zu lernen. Das Befriedigendste an Komödien ist aber das Feedback des Publikums. Wenn ein ganzer Kinosaal sich vor lachen die Bäuche hält, als Resultat einer Arbeit, die du gemacht hast, und das noch dazu mit deinen Freunden - das ist ein großes Privileg. Das ist wohl nur vergleichbar mit dem Gefühl eines Doktors, der sieht, wie es einem seiner Patienten besser geht.

SKIP: Will, ist das süße kleine Mädchen, das im Video zu deinem Men in Black II-Titelsong Black Suits Comin' (Nod Ya Head) eine so prominente Rolle hat, eigentlich deine Tochter Willow?

Will Smith: Nein, das kleine Mädchen ist eine Freundin der Familie. Ursprünglich hätte mein jüngster Sohn Jaden (gerade 4, Anm.) die Rolle spielen sollen, aber der hat die ganze Zeit geheult - er wollte das offensichtlich nicht machen.

SKIP: Dafür sehen wir deinen älteren Sohn Trey (10 Jahre alt, Anm.) in letzter Zeit öfter in diversen Medien. Willst du, dass er eine Entertainment-Karriere startet?

Will Smith: In erster Linie will er das selber. Er liebt den ganzen Showbiz-Zirkus - und ich fühle mich natürlich verantwortlich dafür, dass, wenn er einen solchen Weg einschlagen möchte, ich ihm zeige, wie man den Job gut macht. Mein Jüngerer steht nicht so auf den Rummel, er mag nicht, wenn ständig viele Leute um ihn herum sind und jubeln.

SKIP: Suchst du als Vater von drei Kindern deine Projekte auch nach deren Geschmack aus?

Will Smith: Klar. Ich stehe einfach drauf, genau den Nerv meiner Kids mit meiner Arbeit zu treffen. Auch für mein eigenes Ego: Als z. B. Men in Black rauskam, war mein Sohn gerade in der ersten Klasse. Und es gab einfach nichts Geileres, als ihn zur Schule zu bringen. Sein Daddy ist ein Man in Black! Das war einfach nicht zu toppen!

SKIP: Wie sieht das bei dir aus, Tommy?

Tommy Lee Jones: Meine Tochter Victoria ist gleich alt wie Wills Trey. Sie fand es wirklich cool, als ich in Men in Black auftauchte. Diesmal durfte sie selbst eine kleine Rolle spielen. Deshalb streift sie jetzt den ganzen Bonus selbst ein - und ich bin nicht mehr so cool, nur weil ich auch beim zweiten Teil mitmachen durfte. Für einen Tag war meine Tochter plötzlich meine Kollegin am Set.

SKIP: Welche Projekte stehen bei euch in nächster Zeit an?

Will Smith: Ich werde diesen Sommer in Miami mit Martin Lawrence Bad Boys 2 machen. Und eventuell ein Projekt mit Jennifer Lopez im Herbst. Die treffe ich übrigens noch heute, um Details abzuklären.

Tommy Lee Jones: Ich drehe im Herbst eine Komödie über Cheerleader, da spiele ich wieder mal einen alternden FBI-Agenten ...

SKIP: Schade, ich hoffte, du versuchst dich selbst als Cheerleader.

Tommy Lee Jones: Daran arbeite ich noch. Das wäre auf alle Fälle die bessere Rolle.

Will Smith: Du hast ja seine Beine in Men in Black II gesehen - er könnte das auf alle Fälle!

Tommy Lee Jones: Bestimmt, ich habe diesbezüglich ein großes Potential.

SKIP: Nachdem ihr ja beide Geheimagenten spielt - was sind eure Lieblings-Agenten-Filme?

Tommy Lee Jones: Der Spion, der aus der Kälte kam mit Richard Burton. Ein wunderbarer Film.

Will Smith: Mein absoluter Favorit ist kein reinrassiger Agenten-Film: Die Brücke am Kwai. Den liebe ich einfach.

SKIP: Wie siehts mit Bond aus?

Will Smith: Ja, Bond-Filme gibts auch ein paar gute. Tommy, glaubst du, ich könnte der erste schwarze Bond werden?

Tommy Lee Jones: Sicher doch.

Will Smith: Ja, dieses (imitiert englischen Akzent) 'Geschüttelt, nicht gerührt' hab ich auch schon drauf.

Tommy Lee Jones: Siehst du, du kannst das. Wer macht den Job eigentlich jetzt?

Will Smith: Pierce Bronson ... äh ... Brosnan.

Tommy Lee Jones: Ok, den kenn ich. Ein netter Mann.

Will Smith: Ja, ein sehr netter Mann. Halle Berry ist doch jetzt Bond-Girl, oder? Wenn Halle Bond-Girl sein kann, dann kann ich doch Bond-Boy werden (lacht). Obwohl, Bond-Boy klingt irgendwie schlüpfrig. Das wäre dann wohl ein etwas anderer Film ... (lacht)

Interview: Kurt Zechner / Juni 2002

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