Wir sind die Roboter

Interview mit Nicole Kidman zu Die Frauen von Stepford

Sie verkörpert das Ideal der perfekten Frau. Elisabeth Sereda stellte erleichtert fest, dass sich hinter Nicole Kidmans makellosem Äußeren trotz allem eine äußerst lebendige Frau aus Fleisch und Blut verbirgt.

SKIP:In Die Frauen von Stepford bauen sich die Männer ihre perfekten Ehefrauen einfach selber. Was hältst du von menschlicher Perfektion?

Nicole Kidman: Gibt es nicht. Ich würde nie einen Mann haben wollen, der eine perfekte Frau erwartet. Ich kann mich liebevoll um jemanden kümmern, ich bringe Loyalität, Wärme und Gemütlichkeit in eine Beziehung. Aber von Perfektion bin ich weit entfernt!

SKIP: Der Film wirft die Frage auf, wie weit Männer gehen müssen, bis sie keine Angst mehr vor starken Frauen haben ...

Nicole Kidman: Ich verstehe das ja nicht so ganz, weil ich selber in einer Familie aufwuchs, in der niemand ein Problem mit starken Frauen hatte, schon gar nicht mein Vater. Er ist selbst stark und ermutigte uns immer, eine eigene Meinung zu haben und sie auch zu vertreten. Jeden Abend beim Essen führten wir heftige politische Diskussionen. Und ich glaube, wenn eine Frau Stärke ausstrahlt, zieht sie auch nur Männer an, die das schätzen. Ich habe mich immer nur bestärkt und herausgefordert gefühlt. Nie so, als ob einer Angst vor mir hätte.

SKIP: Die Frauen von Stepford sollen das Idealbild der perfekten Ehefrau repräsentieren. Hast du eigentlich ein Idealbild von dir selbst?

Nicole Kidman: Ja, sicher. Aber mit manchen Sachen muss man sich einfach abfinden, die kann man nun mal nicht ändern, vor allem Äußerlichkeiten. Dabei wäre ich wirklich gern um 15 cm kleiner.

SKIP: Das kann nicht dein Ernst sein! Die meisten Frauen würden ihre linke Brust für deine Modelgröße geben!

Nicole Kidman: Ja, aber ich würde so gern einmal nicht auf meine Film- oder Lebenspartner hinunter schauen müssen! (lacht) Ich würde so gern mal hohe Absätze tragen, ohne jeden im Raum haushoch zu überragen ... natürlich gibt es Schlimmeres. Ich könnte 15 cm größer sein (lacht).

SKIP: Apropos Äußerlichkeiten: Zu Beginn des Films hast du deine langen rotblonden Locken mit kurzen, dunkelbraunen Haaren vertauscht. Äußerlich verändert dich das sehr – fühlt man sich auch innerlich irgendwie anders?

Nicole Kidman: Schon, vor allem die Reaktionen meiner Umwelt waren völlig verändert. Ich merkte, dass die Leute viel weniger offen auf mich zugingen, weil mich die dunklen Haare offenbar härter, strenger wirken ließen.

SKIP: Hat man dich überhaupt erkannt?

Nicole Kidman: Nicht immer. Ich ging z. B. in London ins Theater, und die Frau neben mir meinte: "Oh, Sie sehen aus wie Nicole Kidman." Und ich sagte: "Ach, wirklich?" – "Ja, aber sie sieht in Wirklichkeit sehr langweilig aus. Sie ist ohne all die Schminke gar nicht schön." Und meine Freundin fing zu lachen an, aber die Frau kam zum Glück nicht drauf.

SKIP: Nicole, in Interviews hast du kürzlich gesagt, dass du das Ende deiner Karriere vor dir siehst. Was hast du damit gemeint? Willst du aufhören?

Nicole Kidman: Nicht sofort. Aber auch nicht erst wenn ich 60 bin. Dieses Leben kann sehr einsam sein, und ich denke oft, es muss doch auch was anderes geben, das kann doch nicht alles sein! Ich würde verrückt werden, wenn ich wüßte, dass ich diesen Job für den Rest meines Lebens machen muss! (lacht) Nicht, dass ich undankbar bin – aber ich kenne den Unterschied zwischen Arbeit und Leben. Ich bin ja keine Amerikanerin (lacht).

SKIP: Und wann willst du aufhören?

Nicole Kidman: Ich habe mir ein Limit gesetzt, aber ich will es niemanden sagen, sonst bereue ich es, wenn ich es nicht schaffe.

Interview: Juni 2004

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.