König der Knochen

Interview mit Tim Burton zu Tim Burton's Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche

Für seinen skurrilen Lifestyle ist Tim Burton fast ebenso berühmt wie für sein Genie: Kurt Zechner traf ihn in Venedig zum Experten-Talk.

SKIP: Ihre Frau Helena Bonham Carter hat mir gerade herrliche Geschichten über Ihren gemeinsamen Haushalt verraten. Sie verfügen dort über einen eigenen abgesperrten Bereich, den nur Sie alleine betreten dürfen …

Tim Burton: Glauben Sie ja nichts, was die erzählt! Sie ist Schauspielerin, sie muss bei allem immer übertreiben (lacht)!

SKIP: Wie ist das, wenn man mit seinem Lebenspartner auch zusammen arbeitet?

Tim Burton: Wir haben einen völlig unterschiedlichen Filmgeschmack, daher gibt es keinerlei Konkurrenzsituation zwischen uns. Helena ist sehr selbstsicher bei dem, was sie tut, also ist das Arbeiten mit ihr sehr angenehm.

SKIP: Wer führt bei Ihnen zu Hause Regie?

Tim Burton: Das wechselt ständig (lacht).

SKIP: Ihre Filme sind bekannt für ihre einzigartige Kombination aus Romantik und Düsternis …

Tim Burton: Romantik ist mir sehr wichtig. Ich bin jedenfalls immer erstaunt, wenn Leute meine Filme als dunkel bezeichnen, ich sehe das nie so.

SKIP: Na ja, oberflächliche Fröhlichkeit kann man Ihnen nicht vorwerfen.

Tim Burton: (Lacht) Ich stamme aus Burbank, Kalifornien. Dort scheint immer, immer die Sonne. Deshalb war ich schon von klein auf immer an Monstern und Geistern interessiert, denn in deren Welt gibt es wenigstens Kontraste.

SKIP: Sie leben ja jetzt in London, dort gefällt Ihnen das Wetter sicher besser …

Tim Burton: Allerdings, den vielen Regen find ich herrlich (lacht). Aber vor allem mag ich es, weil dort nicht alles so total Showbiz-verseucht ist. Ein britischer Set-Maler ist einfach Set-Maler, und nach der Arbeit geht er auf ein Bier ins Pub. In L. A. sagt dir der Set-Maler sicher irgendwann: Eigentlich bin ich ja Drehbuchautor. Und der Drehbuchautor erklärt dir, dass er eigentlich Schauspieler wäre. Das verwirrt.

SKIP: Beginnt jedes Ihrer Projekte immer noch mit einem Stift und einem Stück Papier? Auch die Filme mit realen Darstellern?

Tim Burton: Eigentlich schon – ich beginne alle Projekte zuerst mal mit Zeichnungen und kleinen Strips.

SKIP: Haben Sie generell etwas gegen Computeranimation?

Tim Burton: Wenn heute ein gezeichneter Film zuwenig Kohle macht, heißt es in Hollywood immer gleich, klassische Animation ist tot. Das stimmt nicht – Pixars CGI-Filme sind halt einfach besser! Ich hab nichts gegen die Technik selbst. Ein toller Film wie Die Unglaublichen klappt nur mit CGI, aber umgekehrt funktioniert Corpse Bride eben nur mit Puppen-Animation. Wir konnten mit den Puppen fast wie mit echten Schauspielern agieren. Moderne Animation ist immer sehr schnell und arbeitet viel mit Insider-Witzen und Anspielungen auf andere Filme. Das machen wir zwar teilweise auch, aber wir wollten auch langsamere Szenen drinnen haben, wie in einem Film mit menschlichen Darstellern.

SKIP: Was ist für Sie das Besondere an Johnny Depp, den Sie ja mittlerweile für fast jeden Ihrer Filme casten?

Tim Burton: Ich mag ihn einfach als Schauspieler wahnsinnig gern. Er ist gewillt, alles zu versuchen, was du an ihn heranträgst. Das ist es, was ihn so großartig macht.

SKIP: Die Victor-Figur schaut ja sogar aus wie Johnny …

Tim Burton: Das war schräg, denn die entstand lange bevor ich ihn fragte, ob er mitmacht. Das war also wohl gutes Karma.

Interview: September 2005

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