Vom Fotomodel zum Filmstar

Interview mit Diane Kruger zu Merry Christmas

Liebe statt Hiebe. Bei Troja war allein schon das Gesicht von Diane Krüger Grund genug für einen langen Krieg. In Merry Christmas bringt sie dafür einen kurzen Frieden an die Front.

Karriere mit Kurven. Als erfolgreiches Fotomodel musste sich Diane Krüger erst das Herz brechen lassen, um den Mut zu finden, ihr Leben zu ändern und Schauspielerin zu werden. Mittlerweile ist sie in Paris glücklich mit dem französischen Filmstar Guillaume Canet verheiratet. Der spielt in Merry Christmas auch mit. Allerdings nicht als Dianes Herzbube. Dieser Part ging an Benno Fürmann. Glück gehabt.

SKIP: In Christian Carions aufwühlendem Anti-Kriegsepos Merry Christmas spielen Sie eine Opernsängerin, die an einem Weihnachtsabend im Ersten Weltkrieg an der Front für die Soldaten singt. Die Gesangseinlage ist beeindruckend. Ist diese Stimme Naturtalent?

Diane Krüger: Na klar, Naturtalent. Nein, das ist natürlich nicht meine Stimme im Film. Zum Glück, weil sonst würden die Leute wohl reihenweise aus dem Kino laufen.

SKIP: Wie hat sich der Erfolg von Troja auf ihr Leben ausgewirkt? Werden Sie auf der Straße angesprochen?

Diane Krüger: Wenn ich etwa zum Festival in Cannes bin ja, natürlich, aber in Paris, wo ich lebe, kommt das kaum vor. Im Moment erlebe ich eher die schönen Seiten vom Bekanntwerden, man hat einen schönen Tisch im Restaurant, wird sofort in die Disco reingelassen, also von daher ist es nicht unangenehm.

SKIP: In Troja waren Sie noch die schöne Randfigur neben den Helden der Antike. Mit Merry Christmas scheinen jetzt auch die großen Rollen auf sie zuzukommen.

Diane Krüger: Die Angebote werden langsam, wirklich langsam, besser. Aber so ein Film wie Merry Christmas würde mir in Amerika nie angeboten, da würde diese Rolle direkt an Nicole Kidman oder Julia Roberts gehen, da müsste ich nicht mal zum Casting kommen. Zumindest im Moment noch.

SKIP: Wer waren denn so die Filmhelden ihrer Kindheit?

Diane Krüger: Romy Schneider, klar, Sissi. Maria Schell, das war eine großartige Schauspielerin, meine Großmutter hat die immer ganz toll gefunden. Heinz Rühmann. Klar die Klassiker wie Audrey Hepburn oder Marilyn Monroe. Aber ein großes Vorbild für mich ist Cate Blanchett. Ich finde die ist die beste Schauspielerin ihrer Generation.

SKIP: Sie haben eine erfolgreiche Model-Karriere abrupt beendet, um Schauspielerin zu werden. Warum sind Sie dieses Risiko eingegangen?

Diane Krüger: Ich hab da lang darüber nachgedacht, aber nie den Schritt gewagt, weil ich habe da erfolgreich gemodelt und das war einfach und schnell verdientes Geld. Das ist irgendwo wie ein Rausch, in dem man so drin ist. Das ist eigentlich eine persönliche Geschichte: Ich hatte einen Freund in Amerika, der mir unheimlich das Herz gebrochen hat. Damals wollte ich mein Leben radikal verändern. Deshalb habe ich den Mut aufgebracht, zur Schauspielschule zu gehen.

SKIP: Verfolgen Sie die Kino-Karriere von ehemaligen Model-Kolleginnen wie Nadja Auermann oder Gisele Bündchen?

Diane Krüger: Gisele hat vor gerade einen Film in Amerika gemacht, New York Taxi, aber den habe ich nicht gesehen. Müsste ihn mir mal angucken. Aber es gibt so viele Filmstars, die früher mal Model waren. Cameron Diaz, Sharon Stone. Also nur weil man Model war, heißt es nicht, dass man nicht Schauspielen kann. Aber es heißt auch nicht, dass man Schauspielern kann.

SKIP: Man schimpft ja immer so über die Nichtigkeiten der Model-Branche. Was sind denn die Vorzüge in diesem Beruf?

Diane Krüger: Ich habe die ganze Welt gesehen, bevor ich 18 war. Ich habe zwei Sprachen perfekt gelernt. Ich habe eine Welterfahrung, glaube ich, die man so nirgendwo anders lernen kann. Also der Beruf des Models ist schon nicht nur schlecht.

Interview: Mai 2005

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