Alles klar, Herr Kommissar?

Interview mit Jean Reno zu The Da Vinci Code - Sakrileg

Wenn man mit Jean Reno ins Museum geht, wird das sicher keine trockene Kunstgeschichte-Lektion. Der Mann hat nicht nur als Film-Cop voll den Durchblick. Doch an Dan Browns neuestem Code biss sich sogar der toughe Franzose die Zähne aus, wie er Kurt Zechner beim Exklusiv-Interview erzählte.

Die schier endlos langen Gänge des Pariser Louvre sind menschenleer, und das große Gebäude wirkt so mit seinen tausenden Kunstschätzen von unschätzbarem Wert noch geheimnisvoller. Extra für die Handvoll Filmjournalisten, die aus der ganzen Welt zum allerersten spektakulären The Da Vinci Code - Sakrileg-Presse-Event eingeflogen wurden, ist das ehrwürdige Museum heute für Besucher gesperrt. Hier ein Interview zu führen, ist eine wahrhaft unwirkliche Erfahrung: In dem riesigen Saal verliert man sich fast, und in der Gegenwart der Alten Meister, die uns streng über die Schulter blicken, traut sich kaum jemand die Stimme über ein Flüstern zu erheben. Sogar "Monsieur Cool" Jean Reno wirkt beeindruckt. Zumindest ein bisschen.

SKIP: Wie ist es für Sie, ausgerechnet in den "heiligen Hallen" des Louvre zu drehen?

Jean Reno: Na ja, was soll ich sagen – überwältigend natürlich (lacht). Es war ja, wie Sie sicher wissen, keine Selbstverständlichkeit. Es war eine große Ehre, hier Abend für Abend arbeiten zu dürfen.

SKIP: Der Louvre-Dreh war ja mit jeder Menge Auflagen verbunden – ergab das keine Probleme?

Jean Reno: Doch, sicher, aber es war nichts dabei, womit eine Hollywood-Großproduktion nicht fertig wird. Mit dem Licht gabs natürlich Schwierigkeiten, man darf ja die kostbaren Bilder nicht mit Filmscheinwerfern anleuchten. Weil aber die Mona Lisa im Film ja eine wesentliche Rolle spielt, verwendeten wir eine Reproduktion. Die anderen Bilder, die man sieht, sind aber alles Originale!

SKIP: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Besuch hier?

Jean Reno: Sicher. Das war 1970, und ich habe drei Tage gebraucht. Man muss sich hier nämlich sehr langsam vorarbeiten, sonst bekommt man schnell Kopfweh: So viele Bilder, so viel Schönheit, das kann der menschliche Geist nicht gut verkraften.

SKIP: Dies ist wohl die meisterwartete und auch meistdiskutierte Literaturverfilmung seit Der Herr der Ringe – fühlen Sie sich dadurch unter Druck gesetzt?

Jean Reno: Ich habe mir während des Drehs einfach immer vorgestellt, unser Film ist irgendeine andere Produktion und nicht die, über die gerade alle reden. Das half.

SKIP: Hat es diesen Dreh schwieriger gemacht als Ihre bisherigen Filme?

Jean Reno: Nein. Mission: Impossible war ein extrem harter Dreh, und Der Rosarote Panther ebenso. The Da Vinci Code - Sakrileg war nur ein spezieller Fall wegen den Angriffen von der Kirche, vom Opus Dei, vom Vatikan. Aber am Set ist das unwichtig. Wenn der Regisseur "Action" sagt, dann ist nichts mehr da außer meinem Text, meinen Filmpartnern und der Crew. Wenn man die ganze Zeit im Hinterkopf hat: "Wow, ich bin hier jetzt Teil eines ganz großen Dings!" dann ist man nicht wirklich bei der Sache. Und außerdem machen einen solche Gedanken nur eitel – und Eitelkeit ist für einen Schauspieler etwas ganz Schlimmes.

SKIP: Was denken Sie persönlich denn über die Vorwürfe, die dem Film von religiöser Seite gemacht werden?

Jean Reno: Nun, ich als Schauspieler bin nur eine Art Vermittler, ich trage keine Verantwortung so wie die Autoren oder Produzenten. Außerdem ist dies zwar eine sehr packende Geschichte, aber eben eine Geschichte – nichts Heiliges oder Unberührbares. Ich meine, kein Film der Welt kann mein persönliches Verhältnis zu meinem Glauben stören. Ich glaube, ja. Aber das ist privat. Wenn ich Gott treffen dürfte, würde das mein Leben sicher unglaublich verändern. Aber wenn Sie mir jetzt erzählen würden, dass sie wissen, dass Gottes Sohn irgendwo in Berlin wohnt, hätte das auf mein Verhältnis zu Gott nicht den geringsten Einfluss. Ich kann nicht verstehen, warum sich manche Menschen so sehr mit der Frage beschäftigen, ob Jesus jetzt Kinder hatte oder nicht. Für meinen Glauben ist das völlig nebensächlich.

SKIP: Für Tausende andere aber offensichtlich nicht, die schon vorab wegen des Films auf die Barrikaden stiegen …

Jean Reno: Ach, da wurde viel aufgebauscht. Schon bei den Dreharbeiten in England haben manche Zeitungen von Hunderten Demonstranten berichtet, die angeblich gegen unseren Film zu Felde zogen. Die meisten, die ich davon sah, hatten allerdings Dan Browns Buch in der Hand und wollten, dass Tom Hanks es signiert! (lacht)

SKIP: Was spielen Sie eigentlich lieber: Gute oder böse Charaktere?

Jean Reno: Das kommt immer auf den Film an. Die meisten meiner Kollegen spielen lieber die Bösen. Ich hingegen mag am allerliebsten lustige Rollen. Das macht jeden glücklich und es ist leichter, nachher wieder auf den Boden zu kommen. Wenn man nach Hause kommt, nachdem man Freddie Krüger gespielt hat, ist man sicher ziemlich schräg drauf, und die Familie leidet drunter. Oder der Hund.

SKIP: Sie sind der einzige französische Schauspieler, der auch in Holywood ein echter Star ist. Warum eigentlich?

Jean Reno: Das werde ich oft gefragt. Vielleicht weil ich in Marokko geboren bin, in Frankreich und Spanien gelebt habe und viel gereist bin. Ich fühle mich hundertprozentig als Franzose, aber ich habe keine Probleme mit Grenzen oder anderen Kulturen. Vielleicht ist es das. Aber fragen Sie doch die Amerikaner, eventuell haben die eine bessere Antwort (lacht).

SKIP: Stimmt es eigentlich, dass Dan Brown die Figur des Bezu Fache nach Ihrem Vorbild erschuf?

Jean Reno: Es war hier im Louvre, zu Beginn der Dreharbeiten, als Dan zu mir sagte: "Ich habe diese Figur mit Ihnen im Hinterkopf geschrieben!" Das hat mich wirklich ein bisschen umgehauen. Stellen Sie sich vor, jemand sitzt irgendwo in Amerika oder Japan oder Australien und schreibt, mit Ihrem Bild im Kopf! Unglaublich. Ich war schwer gerührt.

SKIP: Für The Da Vinci Code - Sakrileg hat Ron Howard ja eng mit Dan Brown zusammengearbeitet.

Jean Reno: Genau. Ron hat das sehr geschickt gemacht. Er hat nicht nur das Buch verfilmt, sondern mit Hilfe von Dan Brown quasi noch zusätzlich einen Code im Code verpackt – damit alle Fans des Buches ordentlich was zum Tüfteln haben! Es gibt unzählige Symbole und versteckte Hinweise an allen Stationen, die Langdon und Neveu auf ihrem Trip passieren und die am Schluss ein bestimmtes Rätsel auflösen. Und, das kann ich Ihnen verraten: ich bin jedenfalls nicht dahinter gekommen!

Interview: März 2006

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