Mrs. President

Interview mit Meryl Streep zu A Prairie Home Companion

Seit 30 Jahren ist Meryl Streep als Schauspielerin erfolgreich. 2006 hat sie bereits in drei Kinofilmen mitgewirkt, für nächstes Jahr stehen sechs Projekte an. Im Abschlussfilm der Viennale, unter Regie von Robert Altman, zeigt sie nun auch Sangesqualitäten.

SKIP: Jeder Regisseur, mit dem Sie bisher gearbeitet haben, hat von Ihnen nur lobende Worte erhalten. Wie war die Zusammenarbeit mit Robert Altman?

Meryl Streep: Robert Altman ist ein erstaunlicher Mensch. Er ist eine Ausnahmeerscheinung in unserem Business, er marschiert einfach geradeaus durch. Und er ist verlässlicher und aufmerksamer als jeder andere am Set. Ein durch und durch zuversichtlicher Mensch. Das muss etwas mit dem Alter zu tun haben – man hört auf, wegen irgendwelcher Sachen herumzustressen, über die man sich früher unglaublich viele Gedanken gemacht hat.

SKIP: Hat es in Ihrer Karriere noch nie ernsthafte Interessenskonflikte mit einem Regisseur gegeben?

Meryl Streep: Ich habe mit vielen verschrieenen Regisseuren gearbeitet, Michael Cimino zum Beispiel, aber Die durch die Hölle gehen ist ein wundervoller Film geworden. Oder Ein Schrei in der Dunkelheit von Fred Schepisi – er ist ein guter Freund von mir und ein begabter Regisseur, dass er in Hollywood so wenig arbeitet, ist mir völlig unverständlich. Aber es gab bei mir schon auch seltsame Erfahrungen. Einmal hat ein Regisseur verlangt, dass wir Schauspieler uns nur miteinander unterhalten, wenn er dabei ist. Wenn Regisseure befürchten, die Kontrolle über ihr Werk zu verlieren, werden sie manchmal seltsam, aber das ist nur bei den weniger erfolgreichen der Fall, die großartigen lassen einem komplette Freiheit, weil sie Vertrauen in ihre Schauspieler haben.

SKIP: Sie haben schon in Filmen fast aller Genres mitgespielt und sich immer bestens bewährt. Gibt es etwas, das Sie noch nicht gemacht haben?

Meryl Streep: Natürlich, vieles. Einiges kann ich nicht mehr machen aufgrund der Vorzüge des Alters, in dem ich mich befinde und das uns alle immer wieder überrascht, aber das ist mir egal. Es gibt genug interessante Geschichten über Frauen in jeder Phase ihres Lebens zu erzählen und ich hoffe, ich bekomme sie weiterhin in die Hände und kann etwas dazu beitragen.

SKIP: In Ihrem zweiten Oscar-Film Sophies Entscheidung haben sie mit Kevin Kline gespielt, jetzt sind sie wieder gemeinsam auf der Leinwand …

Meryl Streep: Er ist ein guter, alter Freund und ich liebe die Zusammenarbeit mit ihm. Er ist unendlich einfallsreich und schamlos, und er kann so witzig sein, dass es die Leute fast zerreißt vor Lachen. Es macht mir immer Freude, ihm dabei zuzusehen.

SKIP: Wie haben Sie sich auf das Singen in A Prairie Home Companion vorbereitet?

Meryl Streep: Nicht sehr intensiv. Wir hatten drei Tage Vorbereitungszeit. Aber ich singe sowieso gerne und habe viel zu selten die Gelegenheit dazu. Zu Hause darf ich nicht – meine Töchter ertragen es nicht. In A Prairie Home Companion durfte ich endlich. Es war das pure Vergnügen.

SKIP: Lindsay Lohans Privatleben war während der Dreharbeiten fast ununterbrochen in den Schlagzeilen. Wie denken Sie darüber?

Meryl Streep: Sie hat während des Drehs ihren 19. Geburtstag gefeiert, und ich finde, für Schauspieler ihres Alters ist das Business wirklich hart. Man kann soviel Geld verdienen mit ihrem Privatleben, und es gibt reichlich Leute, die entschlossen sind, sich dieses Geld zu holen. Ich finde es nicht gut, dass das die Welt ist, die sie von uns weitergegeben bekommen.

SKIP: Glauben Sie, dass die USA bereit sind für eine Präsidentin?

Meryl Streep: Das weiß ich wirklich nicht … ich habe offen gesagt meinen Finger nicht an Amerikas Puls.

Interview: Mai 2006

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