Streeptease

Interview mit Meryl Streep zu Der Teufel trägt Prada

Dressed to Kill. Im Kino geht Meryl Streep für Mode über Leichen, im Leben kostet sie das Fashionfieber bestenfalls ein müdes Lächeln. Denn diese Lady hat andere Interessen.

SKIP: The Bitchy Boss - wäre Miranda Priestly ein Mann, würde ihr Verhalten als völlig normal gelten. So aber wird gleich ein ganzer Film um sie herum gemacht. Was sagt das über unsere Gesellschaft aus?

Meryl Streep: Vor allem, dass es im Geschäftsleben nur sehr wenige Frauen gibt, die über millionenschwere Etats verfügen. Frauen in Führungspositionen werden ganz anders beurteilt als Männer. Für mich ein wichtiger Grund, warum ich diesen Film machen wollte. Wann werden Männer endlich beginnen, auf Anweisungen von Frauen zu reagieren, ohne gleich beleidigt zu sein? Eine interessante Frage.

SKIP: Sind Sie zu einer Antwort gekommen?

Meryl Streep: In der Geschäftswelt werden Frauen immer noch auf niedrigem Niveau gehalten, da lässt man sie nur äußerst ungern hochkommen. Führungskräfte müssen blitzschnelle, manchmal extrem unpopuläre Entscheidungen treffen. Absurderweise trauen Männer sich selbst das viel eher zu als Frauen.

SKIP: In manchen Ländern wird bereits daran gedacht, einen gewissen Prozentsatz von Frauen im Management großer Unternehmen per Gesetz vorzuschreiben ...

Meryl Streep: Davon halte ich nicht allzu viel. Gleichberechtigung muss sich von selbst in einer Gesellschaft festsetzen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich sind derlei Gesetze notwendig, ich sehe sie als Denkanstoß. Aber die Welt ändert sich ohnehin. Man muss nur daran denken, wo Frauen vor hundert Jahren gestanden sind.

SKIP: Sie sind seit 27 Jahren mit dem Bildhauer Don Gummer verheiratet, haben einen Sohn und drei Töchter. Wie kriegen Sie Beziehung und Beruf unter einen Hut?

Meryl Streep: Besonders der Teil mit der Beziehung ist eine Frage, die täglich aufs Neue beantwortet werden muss. Wie Sie wahrscheinlich wissen. Wie wahrscheinlich jeder weiß. Das ist kein leichter Balanceakt. Es gibt nur eine Regel: Nie den Humor verlieren. Aber als Filmschauspielerin habe ich ohnehin viel mehr Zeit für meine Familie als eine gewöhnliche berufstätige Frau. Ich liebe die langen Pausen zwischen meinen Projekten. Obwohl ich extrem paranoid bin und jedes Mal glaube, nie wieder einen neuen Job zu bekommen.

SKIP: Spüren Sie diese Paranoia wirklich immer noch? Schön langsam müssten Sie doch kapiert haben, dass Sie die Welt für eine ganz gute Schauspielerin hält?

Meryl Streep: Da haben Sie sicher recht. Man sollte das jetzt nicht übertreiben. Ich habe genug Geld gespart, das sollte reichen, selbst wenn ich ab morgen keinen einzigen Film mehr mache. Eigentlich war ich in Gelddingen immer schon sehr vernünftig. Ich gebe kaum was aus. Ich bin ja nicht einmal an Mode interessiert.

SKIP: Das sagen Sie bei diesem Film! Dank Der Teufel trägt Prada müssen in Ihrem Kasten doch die unglaublichsten Kleider hängen.

Meryl Streep: Die würden mir schon was schenken, aber ich will das nicht. Sogar dieses edle Teil von Valentino, das ich hier in Venedig bei der Premiere tragen durfte, habe gleich am nächsten Morgen wieder zurückgegeben. Das fällt für mich unter Berufsbekleidung, reserviert für Galas und öffentliche Auftritte. Ich wüsste nicht, was ich privat damit anfangen sollte. Mode interessiert mich einfach nicht. So wenig wie Fußball. Oder Schach.

SKIP: Was interessiert Sie dann?

Meryl Streep: Da gibt es viele Dinge. Musik zum Beispiel. Und ich gehe oft ins Theater. Das interessiert meinen Mann zum Beispiel gar nicht. Wenn der für den Rest seiner Tage kein einziges Theaterstück mehr sehen könnte, wäre ihm das nur recht. Ist mir aber egal. Dafür ist ihm egal, dass ich mir nichts aus Mode mache.

SKIP: Mit zwei Oscars und elf Nominierungen stehen Sie an der absoluten Spitze. Es würde mich sehr wundern, wenn Der Teufel trägt Prada nicht zumindest eine weitere Nominierung einbringen würde ...

Meryl Streep: Verzeihung, ich muss Sie unterbrechen. Ehrlich gesagt denke ich nur an meine Oscars, wenn mich jemand wie Sie daran erinnert. Natürlich macht es Spaß, ausgezeichnet zu werden, aber im täglichen Leben hilft mir dieses Thema nicht weiter. Ich sehe die Oscars als Bestätigung für meine Arbeit. Mehr ist da nicht. Die stehen bei mir zu Hause ganz oben im Regal. Der ältere hat schon jeden Glanz verloren. Diese Dinger wechseln richtiggehend die Farbe, wenn man sie nicht ständig putzt.

Interview: September 2006

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