Sex & Sehnsucht

Interview mit Sabine Derflinger zu 42plus

Amour Fou auf Ischia. Mit der Beschreibung einer ungewöhnlichen Urlaubsaffäre ist der österreichischen Regisseurin Sabine Derflinger ein Film von jener lässig erotischen Sorte gelungen, die sonst immer nur aus Frankreich kommt. Interview von Peter Krobath.

SKIP: Wollte man 42plus in einem Satz beschreiben, könnte man von der verheirateten Frau sprechen, die sich im Urlaub in einen jüngeren Mann verliebt, oder von der Realität, die unweigerlich in die Idylle einbricht. Dieser Moment kommt besonders bei Christines Tochter zu tragen, die selbst sehr idyllisch ihre erste Liebe erlebt, gleichzeitig kriegt sie aber vorgeführt ...

Sabine Derflinger: ... wie verlogen das alles ist. Und was passiert, wenn alles zusammenbricht. Es kommt der Moment, wo sich die Verhältnisse umkehren. Wo die Mutter plötzlich wie die Tochter und die Tochter plötzlich wie die Mutter reagiert. Nicht zuletzt glaube ich aber auch, dass gerade dieser Bruch der Tochter auch die Möglichkeit gibt, einen Schritt erwachsener zu werden. Insofern finde ich das auch nicht tragisch. Drum bleibt auch immer der humorige Grundton im Film.

SKIP: Wie ist diese Geschichte entstanden?

Sabine Derflinger: Da ich bis dato Filme über Menschen gemacht habe, die in existenzieller Not sind, wollte ich diesmal einen Film über Menschen machen, die äußerlich alles haben, denen dafür aber irgendwas anderes fehlt. Die sind viel zu sehr mit der Glückssuche beschäftigt, als dass sie sich selber glücklich fühlen könnten. Denen fehlt die innere Zufriedenheit.

SKIP: So eine Geschichte kann im Kino sehr leicht auch in Mord oder Selbstmord enden.

Sabine Derflinger: Das wollten wir bewusst vermeiden. Diese Charaktere haben eine Sprache, sie wissen über ihr Leben Bescheid, sie sind selbstreflexiv, trotzdem haben sie ihre Probleme miteinander. Solche alltäglichen Tragödien treten auf, aber sie sind auch irgendwann wieder vorbei, wirklich große Tragödien schauen anders aus. Das ist der Lernprozess dieser Figuren. Man muss eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit Situationen entwickeln, die im Moment vielleicht tragisch ausschauen, aber wenn man später einmal zurückblickt, gehören sie einfach nur zum Leben.

SKIP: Wie sind Sie an die Erotik herangegangen?

Sabine Derflinger: Es war von Anfang an klar, dass in diesem Film sehr viel über Sex geredet wird. Also war mir auch klar, dass ich das nicht auch noch zeigen will. Ich wollte keine Bebilderung der Gespräche. Insofern war mir auf der erotischen Ebene das Momentum des Geheimnisses wichtig. Dass die Erotik nicht beim expliziten Sex vorkommt, sondern schon vorher. Die Dialogszenen sollten erotisch sein, während man die Bettszenen dann gar nicht mehr sieht. Das sollte sich verlagern.

Interview: Februar 2007

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