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Interview mit Julie Delpy zu 2 Tage Paris

Julie Delpy ist mehr als nur ein hübsches Gesicht aus Frankreich. Zu 2 Tage Paris , ihrem internationalen Regiedebüt, hat die Schauspielerin auch das Drehbuch selbst geschrieben.

SKIP: Was brachte Sie dazu, diesen Film zu machen?

Julie Delpy: Ich habe in den letzten Jahren immer wieder mal mit Drehbüchern begonnen, aber das waren stets teure Stoffe – wie zum Beispiel eine Geschichte über japanische Soldaten während des Zweiten Weltkriegs im Pazifik, die ich auf Japanisch drehen wollte. Ein Freund gab mir den Rat, ich sollte zunächst einmal einen Film mit niedrigerem Budget in Angriff nehmen. Vor allem sollte er sich nicht zu sehr von dem unterscheiden, was die Menschen bereits von mir kennen. Sie sollten sich nicht durch etwas übermäßig Ambitioniertes vor den Kopf gestoßen fühlen. Ich weiß, dass jetzt manche Leute denken werden, ich könne nur über ein französisch-amerikanisches Paar schreiben, aber das stimmt nicht. Wenn ich über andere Dinge schreibe, gibt man mir kein Geld. Ich vermute, dass es etwas beunruhigend ist, wenn man es mit einer französischen Schauspielerin zu tun hat, die japanische Kriegsfilme schreibt.

SKIP: Für das Drehbuch zu Before Sunset haben Sie gemeinsam mit Richard Linklater und Ethan Hawke eine Oscar-Nominierung bekommen.

Julie Delpy: Das stimmt. Aber ich versuche, nicht allzu viele Gedanken an die Vergangenheit zu verschwenden. Natürlich ist der Ton dieses Drehbuchs auch vollkommen anders. Ich wollte, dass 2 Tage Paris hin und wieder geschmacklos, politisch inkorrekt und ein wenig fies ist, während Before Sunset sehr romantisch und liebenswert war. Und das kann man über diesen Film beim besten Willen nicht sagen. Die Romantiker unter meinen Fans werden womöglich etwas überrascht sein.

SKIP: Ihre Eltern sind auch im Film Ihre Eltern ...

Julie Delpy: Die Rollen hatte ich extra für sie geschrieben. Beide sind Schauspieler. Ich wusste, dass manche Finanziers Vorbehalte haben würden, weil der Vater im Film eine sehr ungehobelte Sprache spricht. Gleichzeitig wusste ich, dass mein Vater die Figur absolut liebenswert und hinreißend spielen würde, weil er aussieht wie der Weihnachtsmann – wie ein perverser Weihnachtsmann. Zumindest auf Papier kommt die Mutter zunächst etwas wie eine Schlampe rüber. Ich wusste, dass es meiner Mutter gelingen würde, die sympathischen Seiten herauszuarbeiten. Ganz im Ernst: Wenn ich für Marions Eltern nicht meine Eltern besetzt hätte, hätte ich ganz schön Ärger bekommen. Sie hätten meine Katze entführt und mich erpresst.

SKIP: Ist 2 Tage Paris eine romantische Komödie?

Julie Delpy: Es ist eine Komödie, aber sie ist nicht sehr romantisch. Der Film teilt ganz schön aus – und das in alle Richtungen. Männer, Frauen, Franzosen, Amerikaner, alle bekommen ihr Fett ab.

Interview: Februar 2007

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