Wanted: Dead or alive

Interview mit Matt Damon zu Das Bourne Ultimatum

Als Jason Bourne hat Matt Damon den Standard für allerfeinstes Action-Kino neu definiert. Blockbuster-Qualitäten und sein brandneuer Stern am Walk of Fame in Ehren – aber für den bodenständigen Bostoner gibt es wichtigeres als Starruhm und Publicity: seine 14 Monate alte Tochter Isabella zum Beispiel.

Jason Bourne läuft wieder. Vor den Bösen davon, seiner Vergangenheit hinterher und mitten hinein in eine ungewisse Zukunft. Matt Damon überzeugt auch im dritten Anlauf als schlagkräftiger Spion.

SKIP: Die Dreharbeiten zu Das Bourne Ultimatum waren ausgesprochen lang ...

Matt Damon: Ja, mit insgesamt 140 Drehtagen war das sicher mein anstrengendster Film bisher. Die längsten Dreharbeiten bis jetzt haben für mich 110 Tage gedauert, viele Filme dreht man überhaupt in nur 30 Tagen - das ist also schon ein ziemlicher Unterschied. Aber wir mussten eben sehr viel herumfahren ... Wenn ich mir den Reisepass meiner Tocher anschaue: Sie war elf Monate alt und und hatte schon elf Stempel gesammelt. Dabei bekommt man innerhalb der EU ja nicht einmal einen Stempel! Es war ziemlich aufreibend.

SKIP: Begleitet dich deine Familie immer zu den Dreharbeiten?

Matt Damon: Letztes Jahr schon. In Marokko waren sie noch nicht dabei, aber das war ein Fehler. Die Trennung hat uns gar nicht gut getan, also sind sie von da an überallhin mitgekommen. Für meine neunjährige Stieftochter hatten wir natürlich eigene Lehrer mit dabei. Es war sehr ungewohnt und aufregend – ich war mit einem größeren Gefolge unterwegs als JLo!

SKIP: Du bist im Juni 2006 Papa geworden – wie verträgt sich das mit solchen Dreharbeiten?

Matt Damon: Paul Greengrass (der Regisseur von Das Bourne Ultimatum, Anm.) hat einmal zu mir gesagt: "Du schaust wirklich furchtbar aus!". Ich darauf: "Ich bin ja auch die halbe Nacht auf wegen dem Baby!" Und er meinte nur: "Nein, nein, das passt schon. Ist gut für die Rolle." Wenn man es so sieht, ist Isabella also genau im richtigen Moment gekommen. Für die anderen Bourne-Filme musste ich nächtelang Fortgehen, um müde auszusehen (lacht)!

SKIP: Nachts habt ihr euch mit dem Baby also abgewechselt?

Matt Damon: Meine Frau hat natürlich versucht, mich schlafen zu lassen, weil ich ja arbeiten musste. Aber in Wirklichkeit ist es so: Wenn du in einem Zimmer mit einem schreienden Baby bist, brauchst du an Schlaf nicht mal denken.

SKIP: Hast du damals eigentlich lange überlegt, als man dir die Rolle des Jason Bourne angeboten hat – schließlich hattest du keinerlei Action-Erfahrung?

Matt Damon: Ich war jedenfalls sehr überrascht, als Doug Liman zu mir gekommen ist. Dann hatte ich sechs Monate Zeit, um mich vorzubereiten, schließlich sollte ich so viele Stunts wie möglich selbst machen, um glaubwürdig zu sein. Das Schlimmste wäre gewesen, wenn das Publikum gesagt hätte: "Das kaufen wir dir nicht ab!" Aus diesem Grund hab ich auch immer nur für den jeweils nächsten Film unterschrieben und nicht auch gleich für die Fortsetzungen.

SKIP: Und dann hat sich alles so großartig entwickelt ...

Matt Damon: Ja, es ist schon lustig, wie es oft läuft im Leben. Vor Die Bourne Identität hatte mein Telefon aufgehört, zu läuten - All die schönen Pferde und Die Legende des Bagger Vance haben an der Kinokassa ja ziemlich schlecht abgeschnitten. Und auch für den ersten Bourne-Teil standen die Zeichen extrem schlecht: Wir hatten ein Jahr Verspätung, mussten vier mal zu Re-Shoots ausrücken, und dann weigerte sich Drehbuchautor Tony Gilroy auch noch als erster Autor der Hollywood-Geschichte überhaupt, den alleinigen Buch-Credit zu übernehmen. Er bestand darauf, dass der Autor der TV-Serie mit Richard Chamberlain ebenfalls genannt wird – es war wirklich verrückt! Dann kam der Film raus, und am Montag darauf hatte ich 20 Angebote!

SKIP: Glaubst du, Jason Bourne wird dich den Rest deines Lebens verfolgen? Oder wirst du vielleicht sogar nochmal in die Rolle schlüpfen?

Matt Damon: Nein, verfolgen wird mich Bourne nicht. Und im Prinzip ist diese Geschichte von einem Kerl mit Gedächtnisverlust, der seine Identität sucht, jetzt auch fertigerzählt. Aber, ich meine, wenn Paul Greengrass weitermachen will ... Schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

SKIP: Du hast jetzt zwei Bourne-Filme mit Paul gedreht. Was hat sich seit eurer ersten Zusammenarbeit verändert?

Matt Damon: Wir sind Freunde geworden und können sehr offen miteinander reden, ohne dass es Konflikte gibt. Das ist großartig, genau wie mit Ben Affleck. Man hat die Freiheit, auch mal etwas zu verhauen. Und man kann dem anderen einfach sagen: "Das ist aber wirklich eine besch... Idee!" ohne, dass der es persönlich nimmt und angefressen ist. Und so kommt man auf eine sehr ehrliche und kreative Ebene.

SKIP: Apropos Ben: Hat sich eure Beziehung verändert, seit ihr beide Kinder habt?

Matt Damon: Natürlich. Früher sind wir gemeinsam auf Urlaub gefahren. Jetzt schauen wir unseren Kindern beim Spielen zu, wenn wir uns treffen.

SKIP: Vermisst du die Zeit, wo du auf Bens Couch geschlafen hast?

Matt Damon: Oh ja, besonders, wenn meine kleine Tochter wieder mal die ganze Nacht munter ist, wünschte ich, ich könnte auf genau dieser Couch schlafen (lacht). Aber das Leben geht weiter. Wir haben kleine Kinder und machen eine anstrengende Phase durch – aber ehrlich: Ich habe jahrelang auf Sofas geschlafen und mein ganzes Zeug in zwei Taschen mit mir von Set zu Set herumgeschleppt. Es war schön, ich fühlte mich unendlich frei, aber es ist vorbei. Heute schleppen wir zwanzig Taschen und einen Kinderwagen mit uns herum. Es geht alles viel langsamer, und ich genieße das genauso.

SKIP: Matt, du bist ein sehr untypischer Hollywood-Star. Wie schaffst du es, dich aus dem Rummel herauszuhalten?

Matt Damon: Naja, zuallererst: Ich lebe nicht in L.A. Das hilft, schließlich sind dort die meisten Paparazzi unterwegs. Ich habe ein Haus in Miami, und dort wohne ich mit meiner Frau und meinen Kindern. Meine Frau kommt aus Miami, das ist also sehr praktisch so.

Interview: Juli 2007

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