Easy Rider

Interview mit Matt Damon zu All die schönen Pferde

Matt Damon, der blonde Junge aus Boston, zieht in All the Pretty Horses gen Süden und tauscht seine Sportschuhe gegen Cowboyboots. In Billy Bob Thorntons Western jagt er wilde Pferde und eine wilde Frau. Interview von Elisabeth Sereda.

SKIP: Von Golf zu Pferden - du wirst in deinen Filmen immer sportlicher. Für Die Legende von Bagger Vance musstest du erst lernen, Golf zu spielen, konntest du für All the Pretty Horses eigentlich schon reiten?

Matt Damon: Nein, bitte, ich bin aus Massachusetts! Wir spielen Basketball, das ist alles. Und natürlich war´s umgekehrt: ich drehte zuerst All the Pretty Horses und danach Die Legende von Bagger Vance - mit einem freien Tag dazwischen. Als Golfer muss sich Tiger Woods nicht vor mir fürchten, und als Reiter bin ich auch niemandem eine Konkurrenz. Meiner Ansicht nach sollte jeder Schauspieler vor einem Film soviel Zeit wie möglich damit verbringen, sich in die Materie einzuleben. Diesmal hatte ich die Zeit nicht, aber das hielt mich nicht davon ab, mich auch nach dem Reiten um die Pferde zu kümmern. Und das veränderte meine Einstellung, meinen Gang, sogar meine Sprache. Ich lebte die Atmosphäre des Films. Ich wurde ruhiger. Wenn ich mich vor dem Pferd wie Tom Ripley benommen hätte, wäre es täglich zehnmal durchgegangen. Mit Nervosität und negativer Energie kommt man bei Pferden nicht weit.

SKIP: Warst du ein Fan des Cormack-McCarthy-Romans?

Matt Damon: Ja. Und ich war ganz begeistert, als ich hörte, dass Billy Bob daraus einen Film machen wollte. Die Dreharbeiten waren die besten meines Lebens. So anstrengend hätte es gar nicht sein können - keiner von uns wollte, dass sie jemals enden.

SKIP: Obwohl ihr in den letzten drei Jahren keinen einzigen Film miteinander gedreht habt, werden Ben Affleck und du doch immer noch in einem Atemzug genannt. Stört dich das? Versucht Ihr absichtlich, beruflich so wenig wie möglich Kontakt zu haben?

Matt Damon: Die Leute reden jetzt immer davon wie verschieden wir sind, aber in Wirklichkeit sind wir einander viel ähnlicher als die meisten denken. Ben hätte etwa meine Rolle in All the Pretty Horses zuerst spielen sollen. Aber er hatte nicht den richtigen Look. Ben sieht aus und wirkt viel älter als er ist. Aber Billy Bob und er kannten einander von Armageddon und sprachen damals schon über All the Pretty Horses. Es ist eines von Bens Lieblingsbüchern. Unser Geschmack, was Projekte betrifft, ist sehr ähnlich. Aber wir waren beide nach Good Will Hunting nur darauf aus, die besten Rollen auszusuchen, die man uns anbot.

SKIP: Ein gemeinsames Projekt habt ihr aber jetzt doch: Ihr veranstaltet im Internet einen Drehbuch-Wettbewerb für Newcomers. Seid ihr da wirklich direkt involviert oder leiht ihr dem nur eure Namen?

Matt Damon: Nein, nein, wir sind ganz aktiv involviert. Es war ja auch unsere Idee. Es ist ein Experiment. Diesmal ist es nur für Amerika, aber nachdem es so erfolgreich ist - wir bekamen viermal soviele Einsendungen wie wir dachten! - wollen wir es im kommenden Jahr auf internationaler Ebene machen. Wir geben die 30 besten Drehbücher auf unsere Website und hoffen, dass auch die 29, die nicht gewinnen, Investoren finden. Dass auch diese 29 von Produzenten und Studios gelesen werden. Wir sind schon sehr gespannt, denn der Hauptgrund, dass wir mit dieser Idee zu Miramax gingen und Harvey Weinstein dazu überredeten, Geld locker zu machen ist ja, dass auch wir beide mal unbekannte Drehbuchautoren waren, denen bis zu Good Will Hunting keiner eine Chance gab.

SKIP: Du drehst gerade Ocean´s Eleven und als nächstes kommt Die Bourne Identität ins Kino. Wie verschieden sind deine Erfahrungen auf Filmsets?

Matt Damon: Ocean´s Eleven ist fantastisch. Es ist völlig unmöglich, mit George Clooney zu arbeiten und keinen Spaß zu haben! Die Bourne Identität war hart. Wir drehten in Prag, ich spiele einen Spion, der als Killer arbeitet. Du kannst dir also die Recherche vorstellen, rechts und links Leute umbringen! Ich lernte Kampfsportarten, wie man mit Waffen umgeht und trainierte jeden Tag boxen.

SKIP: Was hältst du von deiner Filmpartnerin Franka Potente?

Matt Damon: Ich sah natürlich Lola rennt und war beeindruckt. Dann trafen wir uns und lasen gemeinsam für den Film, und sie hat mich wirklich überrascht. Sie ist fantastisch!

SKIP: Du bist 30 und Single. Was wünscht du dir von einer Beziehung?

Matt Damon: Ich suche in Frauen dasselbe, wonach ich in Freunden suche. Dass die Zeit, die man miteinander verbringt, eine gute Zeit ist. Dass man miteinander lachen kann, dass man einander beflügelt und unterstützt, dass man interessante, intelligente Gespräche führen kann. Beziehungen darf man nie vernachlässigen. Ich hatte darüber ein Gespräch mit meinem Bruder und meiner Schwägerin, die seit sieben Jahren verheiratet sind, und beide sagten, dass sie keinen einzigen Tag als selbstverständlich vorübergehen lassen. Das ist ein schöner Vorsatz.

SKIP: Hast du eine enge Beziehung zu deiner Familie?

Matt Damon: Eine sehr enge. Mein Bruder und meine Mutter haben einen Rieseneinfluss auf mich. Ich schätze mich ungeheuer glücklich, dass ich so tolle Leute um mich habe. Meine Familie und die Familie, die ich mir eines Tages schaffen werde. Die meisten Leute, wenn sie eine eigene Familie gründen, wollen dann alle Fehler vermeiden, die mit ihnen gemacht wurden. Bei mir ist das anders. Ich muss versuchen, es genauso gut zu machen wie meine Eltern. Denn obwohl sie geschieden sind, könnte ich mir keine besseren Eltern vorstellen. Ungeheuer sensible Leute, die sich um mich sorgen und nur das Beste für mich wollen. Wobei meine Mutter unglaublich intelligent ist - sie ist Universitätsprofessorin - und mich immer wieder daran erinnert, dass die Substanz wichtiger ist als das Drumherum, etwas, das man in meinem Beruf manchmal leicht vergisst. Sie will mich schützen. Und es ist nicht, dass sie sich Sorgen um meine Karriere macht. Sie sorgt sich um meine Seele.

SKIP: Wenn du im Dezember 1997 gewusst hättest, wie schwer Ruhm manchmal ist...

Matt Damon: Hätte ich es dann trotzdem gewollt? Ich glaube nicht. Ich stellte mir diese Frage sehr oft. Am 23. Jänner 1998 bekamen wir den Golden Globe, und mit einem Schlag war alles anders. Bens und mein Leben änderte sich binnen einer Sekunde. Wir mussten uns völlig neu orientieren. Ich kann gut verstehen, warum manche Leute in dieser Situation komplett durchdrehen. Und der Grund, dass ich nicht durchdrehte ist meine Familie. Ich habe diesen unglaublichen Rückhalt, der mich vor allem Übel bewahrt.

Interview: Februar 2001

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