Master of the Universe

Interview mit J.J. Abrams zu Star Trek

Eigentlich als Produzent an Bord geholt, wurde er bald vom Trekkie-Fieber gepackt und übernahm gleich die ganze Brücke: J.J. Abrams – Regisseur, Mastermind, Produzent und Held einer neuen Star-Trek-Generation. SKIP traf den quirligen New Yorker in London.

Tausendsassa, Wunderwuzzi, Goldesel: J.J. Abrams ist aktuell Hollywoods liebste und verlässlichste Ideenfabrik. Er ist der Schöpfer der TV-Shows Felicity, Alias, Lost und zuletzt Fringe, erfolgreicher Produzent von Filmen wie Cloverfield und seit Mission: Impossible III auch Regisseur. Die Auferstehung von Star Trek ist sein bisher meistbeachtetes Kinoprojekt.

SKIP: Um Star Trek ist es in den letzten Jahren etwas still geworden, jetzt legt die Enterprise mit Ihrer Hilfe einen tadellosen Neustart hin. Warum beginnen Sie von vorne anstatt an ein bestehendes Szenario anzuschließen?

J.J. Abrams: Es gibt ja schon zehn Star-Trek-Kinofilme, was für jede Serie enorm viel ist, dann die vielen Wiederholungen und Spin-offs – klar, dass da irgendwann die Luft draussen ist. Abgesehen davon war Star Trek für mich in erster Linie immer die Geschichte von Kirk und Spock, und zum Anfang dieser Beziehung zurückzugehen, hat mich sofort gereizt.

SKIP: Was ist für Sie am Verhältnis von Spock und Kirk besonders interessant?

J.J. Abrams: In der TV-Serie wurde ja nie thematisiert, wie sie sich kennengelernt haben und zu diesen Helden wurden, die wir so lieben und verehren. Und genau dieser Teil der Geschichte hat mich fasziniert: Jemand wie du und ich wächst über sich hinaus - darin liegt etwas sehr Positives. Dazu kommt, dass es bis jetzt unvorstellbar war, dass jemand anderer diese Rollen spielen würde. Shatner ist Kirk und Nimoy ist Spock. Aus. Ende. Aber etwas ist immer nur so lange unmöglich, bis es jemand tut. Auch das hat mich gereizt. Und jetzt ist es so, dass ich mir absolut niemand anderen als Zachary Quinto als Spock vorstellen kann. Er wurde geboren, um diese Rolle zu spielen.

SKIP: Haben Sie speziell nach Schauspielern gesucht, die ihren Vorgängern ähnlich schauen?

J.J. Abrams: Nicht wirklich. Wir wollten zwar die Seele der Serie Raumschiff Enterprise spürbar machen, aber auch etwas Neues, das im heutigen Kontext Sinn ergibt.

SKIP: Wir sehr hält sich der Film an die Regeln der Serie? Gibt es grobe Verstöße, die Ihnen die Fans übelnehmen könnten?

J.J. Abrams: Ganz zu Beginn des Films kreuzen sich die Wege der Sternenflotte und der Romulaner. Für Insider ist das ein Bruch in der Logik. Aber es wird schnell erklärt, warum das möglich ist. Autor Bob Orci, der bekennende Trekkie bei uns im Team, hat darauf geschaut, dass wir behutsam vorgehen. Es war aber von Anfang an klar, dass wir den Film nicht ausschließlich für Trekkies machen, sondern für die zukünftigen Trekkies. Es werden also schon Details zu sehen sein, die einem nicht auf Anhieb vertraut vorkommen, aber man erkennt auf den ersten Blick, dass man sich im Star-Trek-Universum befindet. Wir haben die Substanz von damals hergenommen und zeigen sie sozusagen in einer höheren Auflösung.

SKIP: Können wir eigentlich eine Art Dark-Knight-Version von Star Trek erwarten, also eine erbarmungslos düstere Neuinterpretation?

J.J. Abrams: Nein, überhaupt nicht. Wir haben doch alle schon so viele zynische Versionen der Zukunft gesehen! Schwarzmalerei und Hoffnungslosigkeit passen einfach nicht zur Vision von Gene Roddenberry. Star Trek erzählt immerhin die Zukunft der Menschheit, UNSERE Zukunft. Es wird angenommen, dass wir und der Planet überleben, dass sich die Menschheit sogar recht ordentlich dabei anstellt, gemeinsam den Weltraum erforscht und fremde Spezies kennenlernt – das klingt nach dem größten Klischee aller Zeiten. Aber im Kern ist Star Trek eben wundervoll zuversichtlich und liefert uns dringend benötigten Optimismus – ich bin froh, dass wir daran angeknüpft haben.

SKIP: Wir schwer war es den Spagat zu schaffen zwischen moderner Optik des Films und der Tatsache, dass alles, was gezeigt wird, ja älter sein musste als in der allersten TV-Episode?

J.J. Abrams: Zum Glück war die Original Star Trek-Serie vom technischen Standpunkt aus gesehen ihrer Zeit wahnsinnig voraus. Also, es hat dort niemand ein Telefon abgehoben oder so (lacht). Auf der Enterprise drückt man einfach auf den Kommunikator und spricht. Und diese großartigen Visionen der Macher von damals haben es uns leicht gemacht. Ich muss aber gleich einschränken: Wir haben hier definitv keinen Film, in dem sich alles um technischen Schnickschnack dreht. Natürlich gibt es Beamen, Tricorder und Phaser, aber in erster Linie gehts um die Story und die Charaktere. Schließlich helfen alle Special Effects nichts, wenn man die Figuren nicht leiden kann.

SKIP: Glauben Sie, dass Filme über den Weltraum überhaupt relevant sind, solange auf Erden so viel schief läuft?

J.J. Abrams: Da könnte man gleich fragen, ob man Filme überhaupt braucht, egal zu welchem Thema. Und ich finde eindeutig: Ja. Nicht nur zur Unterhaltung und Ablenkung, sondern weil man sie hervorragend als Allegorien einsetzen kann. Gerade bei Fantasy wie Star Trek haben die Leute die Möglichkeit, sich unbefangen mit ihrer Angst vor dem Unbekannten auseinanderzusetzen. Und sie bekommen ein positives Zukunftsbild untergejubelt: eine Zukunft, in der man zusammenarbeitet, wo es egal ist, welcher Rasse oder Spezies man angehört. Dieses Bewusstsein in die Köpfe der Menschen zu bringen, ist bestimmt relevant. Eine ansprechende Geschichten mit etwas Pyrotechnik und Spezialeffekten und im Zentrum eine Message und viel Herz – damit liegt man nie falsch als Filmemacher.

SKIP: Zum Abschluss die unvermeidliche Frage: Ist das der Beginn einer neuen Serie von Star-Trek-Filmen?

J.J. Abrams: (lacht) Lassen Sie es mich so sagen: Es ist definitv eine Option.

Interview: Dina Maestrelli / Januar 2009

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