Trainierter wilder Hund

Interview mit Christian Bale zu Terminator - Die Erlösung

Härte, Ausdauer und Disziplin haben ­Christian Bale zur derzeit ersten Wahl für große, physische Action-Rollen gemacht. Allen Negativschlagzeilen zum Trotz traf SKIP beim Interview anlässlich des Starts von Terminator – Die Erlösung auf einen ernsten, konzentrierten Mann, der gerne über seine Arbeit spricht.

SKIP: Eines der Grundthemen der Terminator-Filme ist Technophobie. Wie stehst du dazu?

Christian Bale: Ich diskutiere eigentlich ungern darüber, ob dieser Film mehr ist als Unterhaltung. Er ist eine Achterbahnfahrt, ein gemeinschaftliches Erlebnis wie ein Sportevent, bei dem ­einem das Adrenalin einschießt. Natürlich kann jeder soviel hi-neininterpretieren, wie er möchte, aber es ist nun mal Terminator – natürlich haben wir ein sehr düsteres Zukunftsszenario, es geht um das Überleben der Menschheit, aber es ist kein tiefer Einblick in die menschliche Befindlichkeit, sondern ein purer Unterhaltungsfilm, der in die Magengrube fahren soll. Also lassen wir es dabei.

SKIP: Stehst du der Technologie gar nicht skeptisch gegenüber?

Christian Bale: Jeder Fortschritt hat Vorteile, aber natürlich auch schlechte ­Seiten. Heutzutage ist die Privatsphäre jedes Individuums von Eindringlingen bedroht. In England haben wir so verdammt viele Kameras, die filmen jede unserer Bewegungen mit. Unsere Handys können jederzeit lokalisiert werden. Maschinen und Computer führen dazu, dass Leute ihre Jobs verlieren. Oder denk allein an den Frust, wenn du auf einem Parkplatz ein Ticket lösen will und etwas nicht funktioniert und du hast es mit einer verdammten Maschine zu tun, die nicht vernünftig mit sich reden lässt. Man kann den Fortschritt nicht aufhalten. Aber ich hoffe, das bleibt im Gleichgewicht und fällt nicht irgendwann aus dem Rahmen.

SKIP: Hat dein John Connor als Soldat nicht auch etwas von einer Maschine?

Christian Bale: Nun, er ist bestimmt einer, der gern rausgeht und sich dem Kampf stellt. Außerdem wurde er von seiner Mutter darauf hintrainiert, ein richtig wilder Hund zu sein. Und generell müssen Soldaten ihren Job tun und dürfen damit nicht allzu emotional umgehen. Andererseits verlieren die Figuren im Film bei ihrem Kampf gegen die Maschinen nie ihre Menschlichkeit.

SKIP: Deine Rolle ist sehr physisch, kraftvoll, laut, action-­zentriert – hast du eine Methode bei deinem Schauspiel und fällt es dir leicht, deine Rollen dann auch wieder abzulegen?

Christian Bale: Jede Rolle ist anders. Viele Leute meinen, ich hätte eine Technik, ich sei ein Method Actor, aber das bin ich nicht. Ich hab nie Schauspielunterricht genommen, ich tu einfach, was sich richtig anfühlt, ich mag es zwar, mich einer Sache obsessiv hinzugeben, aber ich habe wirklich keine bestimmte Technik dabei. Manche Leute fanden meine Rolle in American Psycho besonders furchteinflößend … dabei war das ein Charakter, bei dem es extrem leicht war, ihn abzuschalten, weil er eine totale Darstellung, eine Fabrikation war. Außerdem würde ich mich lächerlich fühlen, wenn ich hier sitzen und über die John-Connor-Rolle sagen würde: Oh Mann, ich bin ständig in meinem Charakter geblieben.

SKIP: In deinen Filmen bist du immer extrem durchtrainiert. Ist das Veranlagung, bist du ein geborener Sportler?

Christian Bale: Veranlagung ist das nicht. Und außerhalb von Jobs siehst du mich auch bestimmt nicht in einem Fitness-Studio. Ich meine, zur Zeit bereite ich eine Rolle als Boxer vor … aber normalerweise höre ich zu trainieren auf, wenn die Dreharbeiten vorbei sind.

SKIP: Aber auch das Abmagern für The Machinist … fällt dir diese Disziplin gar nicht schwer?

Christian Bale: Ja, schon. Aber das mag ich gerade daran. Ich liebe Filme und ich liebe es, in eine Sache auf fast verrückte Weise total einzutauchen. Das genieße ich sehr.

SKIP: Schicksal ist auch ein starkes Thema in Terminator. Glaubst du an Schicksal?

Christian Bale: Nach meinem Empfinden kann man über diese Frage keine ernsthafte Konversation führen. Wenn ich sage, ich glaube an Schicksal, dann kommt sofort die Frage: Warum? Aber darauf gibt es nie eine wirklich starke Antwort. Schau, ich weiß genau, was ich hier und jetzt wieweit unter Kontrolle habe, und andererseits weiß ich, wie wenig Kontrolle irgendjemand über irgendwas haben kann. Da herumzuargumentieren ist verlorene Zeit, finde ich. Die Leute, die an Schicksal glauben, würde man mit allem, was man dagegen sagen könnte, nur bekräftigen. Da würden nur die Köpfe aufeinanderstoßen. Aber ich kann sagen, dass ich ungern an so etwas glauben wollen würde. Ich mag den Gedanken nicht, dass es ein Schicksal geben könnte, das wir nicht ändern können.

SKIP: Hast du eine spezielle Vorliebe für Science Fiction?

Christian Bale: Manche SciFi-Filme sind großartig und manche ganz übel, wie immer bei Filmen. Ich kannte die Batman-Comics von Frank Miller und hatte schon immer gedacht, dass man genau so einen Film drehen sollte, und das hat dann auch bestens funktioniert. Bei Terminator – Die Erlösung war meine Reaktion anfangs ein striktes Nein. Ich mochte die ersten beiden Filme wirklich, aber ich habe für einen vierten Teil einfach keinen Platz gesehen. Bloß haben die nicht locker gelassen, ständig neue Ideen gebracht, und irgendwann war ich dann überzeugt. Ich bin sehr wählerisch, wenn es um meine Arbeit geht.

SKIP: Warst du überrascht vom Erfolg von Batman?

Christian Bale: Oh, absolut. Wer wäre das nicht gewesen? Niemand hat das kommen sehen.

SKIP: Wird es noch einen Batman-Film geben?

Christian Bale: Ich habe kürzlich mit Chris Nolan geredet und er meint, er will keinen machen, solange es keine noch coolere Story dafür gibt. Einen Mythos sollte man lieber lassen, wie er ist, außer du kannst dich durch eine Fortsetzung nochmal verbessern.

SKIP: Wenn du eine bestimmte Rolle unbedingt haben willst, wie gehst du dann vor?

Christian Bale: Ich bin da sehr geradlinig. Wenn mir etwas gefällt, dann klemme ich mich dahinter, und wenn sie mich nicht wollen, dann überzeuge ich sie eben. Jahrelang war niemand darauf scharf, mich zu kriegen, und ich musste mir ständig den Arsch aufreißen dafür, dass sie mich nehmen. Also hab ich auch heute kein Problem damit, das zu tun, wenn mir etwas wirklich wichtig ist.

SKIP: Was ist dein nächstes Projekt?

Nun, ich hoffe, dass das auch was wird, aber ich plane einen Film über Dick Eklund mit mir in der Hauptrolle. Eklund war ein Boxer, der gegen Sugar Ray Leonard antrat. Das ist wohl mein nächstes Projekt.

SKIP: Musst du dich dafür auftrainieren?

Christian Bale: Nein, eher schmäler werden. Eklund war ein Weltergewicht.

Interview: Klaus Hübner / Mai 2009

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