Neurosenkavalier

Interview mit Ben Stiller zu Greenberg

Als New Yorker Großstadtpflanze Roger Greenberg erlebt Ben Stiller in L.A. den totalen Kulturschock - in Berlin fand sich der Pointen-Superheld um einiges leichter zurecht. SKIP traf ihn zum Exklusiv-Talk.

SKIP: Mr. Stiller, Ihr Millionenpublikum liebt Sie für heftigen Humor wie in Meine Braut, ihr Vater und ich oder Tropic Thunder. Wie ging es Ihnen mit den vergleichsweise stillen Tönen in Greenberg?

Ben Stiller: Es war faszinierend, sich mal nicht die ganze Zeit Gedanken machen zu müssen, wie man jede Sekunde mit einer Pointe oder irgendwelcher Action befüllen kann. Einfach den Leuten beim Existieren zuschauen war hier die Devise (lacht).

SKIP: Und dabei, wie Sie Oralsex haben und Drogen nehmen ... In Europa sieht man das ja etwas relaxter, aber haben Sie da keine Angst, dass das Ihre US-Fans eher irritiert?

Ben Stiller: Nein, nicht wirklich. Ich glaube nicht, dass jemand sagt "Diesen Film schau ich mir nicht an, weil ich Ben Stiller so nicht sehen will!“ (lacht)

SKIP: Finden Sie sich eigentlich selbst lustig?

Ben Stiller: Ich mich? Nein. Sicher finde ich manchmal etwas witzig, was ich mache – das geht Ihnen sicher nicht anders. Aber wenige Leute, die im Comedy-Bereich arbeiten, rennen rum und sagen sich dauernd "Wow, bin ich komisch.“

SKIP: Wen finden Sie lustig?

Ben Stiller: Ich bin definitiv ein großer Will Ferrell-Fan. Der bringt mich immer zum Lachen. Und Steve Martin und Bill Murray.

SKIP: Vergessen Sie Ihren Dad (Jerry Stiller, King of Queens, Anm.) nicht!

Ben Stiller: Stimmt, der ist natürlich sowieso ein Brüller.

SKIP: Sie haben in Greenberg eine köstliche Szene, in der sie Teens dazu nötigen, Duran Duran zu hören. Finden sich Duran Duran auch in Ihrer Plattensammlung?

Ben Stiller: Machen Sie Witze, natürlich! Ich liebe Duran Duran! (lacht)

SKIP: In Greenberg ist die Midlife-Crisis ein großes Thema. Spürten Sie je sowas? Als Sie 40 wurden, hatten Sie ja gerade ein fettes Karrierehoch und ein kleines Kind ...

Ben Stiller: Klar hatte ich eine Midlife-Crisis. Und dann grübelte ich eben so drüber nach, ob mein Leben da steht, wo ich es wollte, und alle diese Fragen. Ich finde es sehr gesund und gut, wenn man das mal durchmacht, weil man dann das Leben etwas aufmerksamer betrachtet. Fragen wie: Was ist mir wichtig? Was will ich wirklich? Was habe ich noch nicht getan, was ich immer machen wollte? Und je älter man wird, desto mehr wird man sich auch gewahr, dass man nicht immer hier sein wird. Du siehst Menschen um dich herum krank werden und schon sterben. Und irgendwann wird dir das eben auch passieren.

SKIP: Ihre Filmfigur Greenberg leidet schwer an einer falschen Karriereentscheidung, die sie vor Jahren einmal traf. Gab es sowas bei Ihnen im Nachhinein betrachtet auch einmal?

Ben Stiller: Ja, sicher gab es da ein, zwei verpasste Gelegenheiten, über die ich immer noch nachdenke. Ich bekam aber Gott sei Dank immer wieder neue Chancen, auch wenn ich oft ordentlich auf die Schnauze gefallen bin. Es ist sehr hart, einen Film, den man gerne drehen möchte, wirklich in den Kasten zu bekommen, oft klappt es nur wegen irgendeiner Banalität nicht. Und dann sagt man wieder nein zu etwas, was dann ein Riesenhit wird ... Aber man muss einfach immer zu seinen eigenen Entscheidungen stehen, egal wie es dann ausgeht. Das lernt man auch, wenn man älter wird.

SKIP: Sie haben sich als Nächstes für einen Film entschieden, in dem es um E-Mail-Scams geht, nicht wahr?

Ben Stiller: Ja, der Film heißt Help me Spread Goodness, und da gehts um einen Mann, der im US-Mittelwesten bei einer Bank arbeitet und auf eine dieser nigerianischen E-Mail-Betrügereien hereinfällt, die wir alle kennen. Und weil er ziemlich sauer ist und auch sonst jede Menge Probleme hat, entschließt er sich, nach Lagos zu fliegen und den Typen zu suchen, der ihn beschissen hat.

SKIP: Wird das ein Drama oder eine Komödie?

Ben Stiller: Wie hier bei Greenberg ein bisschen von beidem (lacht). Ich führe dabei auch wieder Regie.

SKIP: Und die Fortsetzung von Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich, kommt die noch?

Ben Stiller: Ja klar! Die haben wir gerade fertig gedreht. Zu Weihnachten ist US-Start von Meine Frau, unsere Kinder und ich.

Interview: Kurt Zechner / Februar 2010

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